Kalkbrut - ab wann muss man reagieren?

Verhalten, Anatomie und Krankheiten der Bienen

Kalkbrut - ab wann muss man reagieren?

Beitragvon kiste » 3. August 2016, 14:04

Moin,

ich bin ein Neuimker aus dem hohen Norden und habe ein starkes Jungvolk übernommen. 2 Zargen DNM mit Buckfast.
Die Bienen sind sehr fleissig und tragen Pollen und Nektar ein. Da es die letzten Tage recht kühl und nass war ist mir zum ersten mal aufgefallen, daß auf dem Abflugbrett Kalkpuppen liegen. Aufgrund des Wetters waren die wohl nicht weiter abtransportiert worden (In Summe 10 bis 15 Stck in 3 Tagen).

Ich habe das Volk nach der Übernahme nur auf meinen Platz umgestellt und von Kalt- auf Warmbau umgedreht. Heute habe ich eine erste Durchsicht gemacht und dabei nur sehr wenig kalkbrutverdächtiges gesehen. Ich meine so 5 vertrocknete Larven und 2 bis 3 steckengebliebene Larven/Bienen gesehen zu haben. Es sind auch keine Kalkbrutpuppen beim Kippen der Wabe rausgefallen.

Der Varroabefall scheint sehr gering zu sein. Ich habe 2 mal 2 Tage eine Windel druntergepackt und keine Milben gesehen. Am Volk daneben waren Varroa zu finden und ich werde beide Völker parallel behandeln.

Nun stelle ich mir folgende Fragen. Wenn ich es richtig gelesen habe, kann ja der Pilz schon lange im Volk sein, aber bricht nur unter bestimmten Umständen (Krankheit) aus. Oder ist eine kleine Menge normal?

- Kann das mit dem Umstellen, der nassen Witterung oder dem Umstellen von Kalk- auf Warmbau zu tun haben? Der Befall wird doch schon vorher da gewesen sein, oder? (Die Bienen stehen seit 7 Tagen bei mir)
- Ab wann muss man reagieren und umweiseln?

Für Antworten bin ich dankbar :)

Gruss

Kiste
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Re: Kalkbrut - ab wann muss man reagieren?

Beitragvon Simon » 3. August 2016, 15:00

Hallo Kiste!
Kalkbrut ist nicht normal, ich sehe sie in sehr wenigen Völkern bei kühler Witterung an ein paar Drohnenzellen die zudem empfindlicher sind (Kalkbrut=Kaltbrut), dieses Jahr das erste mal wieder an einem Volk an Arbeiterinnenzellen, es gab Zeiten wo es flächendeckend Probleme durch die Verteilung von Zuchtstoff massiv verbreitet wurde. Kalkbrut ist in der Regel eine genetische Veranlagung zur Pilzinfektion, nicht davon nachziehen und zur passenden Umweiselungszeit die Königin im August oder September tauschen.
Mit vielen freundlichen Grüßen
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Re: Kalkbrut - ab wann muss man reagieren?

Beitragvon dedeep » 4. August 2016, 20:48

Mein Erfahrungsbericht..
Ich hatte Kalkbrut in einem meiner Ableger 2015 festgestellt. Bild müsste hier im Forum gepostet sein. Mit ausgeräumter Brut auf dem Gitter. Erst stellte ich das Volk um. Nix gebracht. Gegen Ende 2015 habe ich dann umgeweiselt und eine 1a Kö zugesetzt. Durch den Winter gekommen. Im Früjahr wieder Kalkbrut voll ausgebrochen. Wieder massiv ausgeräumte Kalkbrut auf dem Gitter. Dann habe ich die komplette Brut entnommen und mit Rähmchen verbrannt. Eine Wabe drin gelassen (dumme Idee!). Sonst neue Mittelwände rein. Und alle Zargen und Boden getauscht. Volk hat sich gut entwickelt. Im frühen Sommer dann wieder Kalkbrut festgestellt. Dieses Mal alle Waben entsorgt. Keine Mittelwände gegeben sondern nur Anfangsstreifen. Keine Futterwabe. Die neue Strategie: Bauen lassen, bauen lassen und nochmals bauen lassen. Geht nur über konstant Futter geben. Zusätzlich habe ich die Bienen öfters mit Zuckerwasser besprüht, um den Putztrieb anzuregen. Füttern nicht vergessen ;) Bienenwohl soll auch helfen.
Bisher scheint alles ok. Aber ich sehe das Volk eher als Experiment mit viel Risiko für die umliegenden Völker.
-didi
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Re: Kalkbrut - ab wann muss man reagieren?

Beitragvon BieneMoni » 10. August 2016, 20:12

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Kalkbrut
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Hallo,

ich habe heute bei allen Völkern die Gemülldiagnose durchgeführt.

Mein kleinstes Volk hat Kalkbrut.
Es ist ein kleiner Schwarm gewesen, der sich aber sehr gut entwickelt hat.
Das Volk sitzt auf 7 Langstrothwaben, 3 MW sind noch nicht ausgebaut.

Nun lese ich mich schlau, wie ich vorgehe.

Habe sie heute mit 2,5 l Futter eingefüttert, und leider erst DANACH die Kalkbrut in der Schublade unten entdeckt.

LG, Moni
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Re: Kalkbrut - ab wann muss man reagieren?

Beitragvon Simon » 11. August 2016, 08:36

Wow, das ist Kalkbrut extrem, noch nie gesehen, gibts da Aufnahmen von der Brut?
Mit vielen freundlichen Grüßen
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Re: Kalkbrut - ab wann muss man reagieren?

Beitragvon BieneMoni » 13. August 2016, 14:13

Hallo Simon,
das war nicht die Menge von 24 Stunden! Das wär länger.
Täglich liegen "nur" max. 20 - 30 Kalkbrutlarven unten.

Heute habe ich die Futterzarge entfernt und das Volk durchgeschaut.

Es ist aus einem kleinen Schwarm vom 15.6.16.

Das Schwärmchen hing damals tagelang unbemerkt bei strömendem Regen und Frühjahrskälte in einem Busch. Es hatte sich schon eine kleine Wabe von 5x10 cm an einen Zweig gebaut. Als ich es gemeldet bekommen habe, war es etwa so groß wie eine Pampelmuse. Im Freien sind vermutlich viele Bienen gestorben. Ich habe es mitsamt dem Zweig in einen Ablegerkasten. Als ich gesehen habe, daß es keine Königin mehr hat, wurde es mit Brut- und Futterwaben verstärkt. Wie gesagt, das war Mitte Juni.

Seitdem wurde es stetig auf 10 Waben erweitert. Die Königin war fleißig und ich war höchst zufrieden mit der Entwicklung.

Heute bei der Durchsicht 7 gut besetzte Waben, davon 2 Futterwaben und viele Bienen, die einen fitten Eindruck machten. Die Kö habe ich leider nicht gesehen, aber jüngste Brut.

Ich hatte mich auf den schlimmsten Anblick eingestellt, sah aber nur auf einer Wabe einige Kalkbrutzellen, Photos anbei.

Vielleicht haben sie ja schon alles ausgeräumt? Mal sehen.

Jedenfalls ist das Flugloch seit Tagen völlig offen, damit Luft zirkulieren kann. Ich habe die Randwaben im Brutnest verteilt, immer schon abwechselnd, auch damit es keine Staufeuchtigkeit gibt. Bodengitter ist drinnen, also auch von unten Luft.

Jeden Abend kontrolliere ich das Lüftungsgitter unten.

2 x 3 l Futter haben sie bekommen.
Jetzt wollte ich heute bei meinen Völkern mit Ameisensäure loslegen, aber kann ich das bei dem Volk auch machen? Oder wäre das jetzt der falsche Zeitpunkt?

LG, Moni
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Re: Kalkbrut - ab wann muss man reagieren?

Beitragvon BieneMoni » 13. August 2016, 23:07

So, mittags ging es weiter:

Habe mich entschlossen, das Volk zeitgleich mit den anderen 2016er Völkern zu behandeln.
Als ich den Deckel öffnete, entdeckte ich in dem Gewusel oben am Deckel die Königin herumlaufen. Habe alle Damen in die Wabengassen gestoßen und eine Leerzarge obenauf gestellt. Da hinein stellte ich den Liebigdispenser.

LG, Moni
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Re: Kalkbrut - ab wann muss man reagieren?

Beitragvon BieneMoni » 17. August 2016, 13:20

Neues von der Kalkbrut:

Von anfangs ca. 30, dann 15 und jetzt nur noch 4-5 Kalkbrutlarven täglich ist das Volk jetzt.
Bienen sind gut drauf, Volk hängt durch, haben schön Futter eingelagert.
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Re: Kalkbrut - ab wann muss man reagieren?

Beitragvon kiste » 17. August 2016, 20:17

Moin,

bei mir hat sich das Thema auch erledigt. Keine Kalkpuppen auf dem Gitter und auch keine mehr die rausgetragen werden. Ich lass die Königin mal weiterwerkeln und tausch die nächsten Jahr durch. Das Volk ist explodiert und die Köngin stiftet supergut.

Wir hatten allerdings auch sowas ähnliches wie Sommer in den letzten Tagen.

Gruss

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Re: Kalkbrut - ab wann muss man reagieren?

Beitragvon BieneMoni » 24. August 2016, 21:23

Ich bin sehr zufrieden. Seit Tagen liegen keine Kalkbrutlarven mehr unten. Das Volk ist gut drauf. Interessanterweise fielen so gut wie keine Varroen. Hatte den Liebig Dispenser drauf und am "stärksten" Tag 4 Milben gezählt.
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