Flughöhe?

Verhalten, Anatomie und Krankheiten der Bienen

Flughöhe?

Beitragvon BieneMoni » 3. Mai 2016, 21:36

Hallo,
heute fragte ich mich, wie hoch Bienen eigentlich unterwegs sind.
Mein Stand ist max. 400 m von einer 4spurig ausgebauten Bundesstraße entfernt.
Auf der anderen Seite gibt es Raps im Überfluß.
Die letzten Jahre war der Raps überwiegend auf "meiner" Seite.
Aber heuer müssen sie die Bundesstraße überqueren.
Beidseits hat es streckenweise Heckenstreifen.
Aber reicht das, damit sie genug Höhe erreichen?
Es fahren sehr viele LKW dort.
Viele Grüße, Moni
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Re: Flughöhe?

Beitragvon andreasE » 4. Mai 2016, 06:56

Hallo,
BieneMoni hat geschrieben:Aber reicht das, damit sie genug Höhe erreichen?

Keine Furcht, das reicht vollkommen.

Gruß
Andreas
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Re: Flughöhe?

Beitragvon Lukas » 4. Mai 2016, 08:52

Bienen sind sparsam und fliegen keine unnötige Höhe an. Ihre Facettenaugen sind durch den extrem hohen Blickwinkel und die geringe Auflösung auch nicht dazu gemacht, in großer Höhe den optischen Fluss so fein wahrzunehmen, dass noch ein sinnvolles Reagieren auf den Wind möglich wäre (welcher zudem mit jedem Meter Höhe etwas stärker wird). Es ist also naheliegend, dass die Biene sich eher bodennah orientiert. Die Flugbahn wird wohl in der Regel hoch genug sein,um nicht mit einem LKW in Kontakt kommen zu können, aber nicht zwangsläufig. Andererseits ist das Ausweichverhalten der Biene dadurch gekennzeichnet, dass sie ihre Flugbahn vom Bereich des hohen optischen Flusses zum Bereich des niedrigen Flusses korrigiert. Theoretisch gedacht: LKWs sind groß und relativ schnell, erzeugen also ein starkes Ausweichverhalten anfangs zur Fahrtrichtung des LKWs hin und dann zunehmend mit Tendenz nach oben. Daher kann ich es mir eigentlich überhaupt nicht vorstellen, dass LKWs eine Gefahr für Bienen darstellen können, auch bei bodennahem Überfliegen der Strasse.

Bei mir ergibt sich eine sehr spannende Kulisse, zum Thema Flughöhe einige interessante Aspekte zu erkennen. An meinem Stand zwischen Fichten fliegen die Bienen 25 Meter senkrecht nach oben über die Bäume aus der Lichtung heraus, weil ich eine Hecke direkt vor die Beuten gepflanzt habe (die aber eigentlich genauso gut umfliegbar wäre). Ganz in der Nähe habe ich 40 Völker direkt am Wiesenrand. Nun wird an schönen Flugtagen abends, wenn die Sonne im Tal untergegangen ist, plötzlich die Flugbahn der Bienen dieser 2 Stände von leicht erhöhter Position als Gewusel schillernder Punkte vor dem schattigen Hintergrund sichtbar. Gut 100 Meter entfernt an einer Kante erscheinen die Bienen von unten direkt in Bodennähe und teilen sich dann sehr klar auf 2 Bahnen auf: die Völker in der Wiese fliegen ihre Beuten flach über dem Boden an (1-4 Meter), die anderen hingegen nehmen Höhe auf und fliegen Richtung Baumkronen, bevor sie diese dann wenige Meter vorher überhöhen. Sie fliegen hier also nicht den wirklich kürzesten Weg, sondern folgen auch leicht dem Terrain.
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Re: Flughöhe?

Beitragvon beeo » 4. Mai 2016, 09:15

Hallo Moni,

es ist uns Hobbyimkern eigen, dass wir uns sehr viele Gedanken um unsere Schützlinge machen. Bei rechter Betrachtung sind es aber nicht unsere Schützlinge, sie sind nur sehr tolerant und bleiben lange Zeit in dem Kasten, in den wir sie reinstecken, lassen sich dann auch noch den Honig klauen und mit Zuckerwasser abspeisen. Helfen brauchen wir ihnen nicht, schon gar nicht beim Fliegen :)

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Re: Flughöhe?

Beitragvon Lukas » 4. Mai 2016, 09:29

beeo hat geschrieben:Bei rechter Betrachtung sind es aber nicht unsere Schützlinge, sie sind nur sehr tolerant und bleiben lange Zeit in dem Kasten, in den wir sie reinstecken, lassen sich dann auch noch den Honig klauen und mit Zuckerwasser abspeisen. Helfen brauchen wir ihnen nicht, schon gar nicht beim Fliegen :)

Sagt das der selbe beeo, der vor kurzem die zu starke Vermenschlichung der Bienen bemängelte? :bigrin:
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Re: Flughöhe?

Beitragvon beeo » 4. Mai 2016, 09:36

Ja. Vermenschlichung im Sinne von dass wir glauben sie wie Menschen behandeln zu müssen. In diesem Fall über die Straße helfen, was sonst bei altern Mütterlein eine noble Geste ist, bei alten Flugmütterlein nicht ;-)
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Re: Flughöhe?

Beitragvon Lukas » 4. Mai 2016, 11:10

beeo hat geschrieben:Ja. Vermenschlichung im Sinne von dass wir glauben sie wie Menschen behandeln zu müssen [..] Helfen brauchen wir ihnen nicht, schon gar nicht beim Fliegen :)

Das halte ich für eine Wunschvorstellung. Bienen haben ihre Evolution in einer anderen Umgebung durchgemacht. Der Faktor Mensch kam da nicht in dieser Weise vor. Ohne Hilfe wären vermutlich die meisten Bienen schon aufgrund der Varroa verschwunden. Die meisten Landschaften könnten ein Bienenvolk nicht mehr über das Jahr ernähren. Die Bienen die wir halten sind sehr wohl von uns abhängig und brauchen Hilfe.
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Re: Flughöhe?

Beitragvon beeo » 4. Mai 2016, 11:42

Bienen haben ihre Evolution nicht gemacht, sie sind und bleiben immer ein Teil von ihr. Varroabehandlung ist bereits eine Konsequenz aus menschlichem Eingriff. Die Suppe haben wir uns selber eingebrockt. Sie kämen aber trotzdem ohne unsere Behandlung zurecht. Aber WIR nicht ohne SIE. Sie würden wie sie es gewohnt sind sich erst stark dezimieren bis die Überlebenden übrig bleiben (siehe Gotland). Aber für uns wären das für die Bestäubung viel zu wenig Bienen, die auch noch so schwach wären dass wir nicht wirklich sinnvoll damit imkern könnten.

Lukas hat geschrieben:Die Bienen die wir halten sind sehr wohl von uns abhängig und brauchen Hilfe.

ist eine unzulässige Einschränkung für die Gesamtbetrachtung. Wenn eine Gegend unwirtlich ist verirrt sich bestimmt einmal ein Schwarm dahin. Und geht uU dann auch dahin. Aber das gehört bei Bienen dazu.
Die große Masse wird sich in Regionen niederlassen, die Ihnen zusagen. Und wenn es weniger solcher Regionen gibt würden sich im Zweifel die Völkerzahlen reduzieren.

Klar, wenn wir wieder den ersten Schritt machen und mehr Bienen an einem Ort halten, als sich natürlichweise ansiedeln würden, dann müssen wir uns auch den Konsequenzen stellen.


Zurück zu den LKW, damit wir ontopic werden ;-) Ich gehe davon aus, dass Bienen nicht LKW, Eisenbahn und Flugzeuge unterscheiden, sondern gefährliche Stellen und nicht gefährliche Stellen. Wie die Bienen das letztlich wahrnehmen weiß ich nicht, ob die Geschwindigkeit beeindruckt, der Lärm, der Wind, einfach der Status "unbekannt", alles zu einem Teil...


Also Lukas, da wo du ansetzt, hast du Recht. Ich setze vor dem menschlichen Eingriff an. Dass wir LKW erfunden haben ist aber unerheblich, daran gehen die Bienen nicht zu Grunde. Was nicht darüber hinwegtäuschen soll, dass wir schon viel erfunden haben was anderes in der Umwelt kaputt gemacht hat.
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Re: Flughöhe?

Beitragvon Udow » 23. Mai 2016, 07:47

Interessante Frage.
Ich kann da aus der Sicht des Feindes berichten.
Ich habe ausnahmslos alle Stiche in den letzten Jahren auf folgende Weise erhalten:
Ich fahre manchmal LKW als Vertretung wenn einer der Kollegen im Urlaub ist, davor war ich Milchkutscher für Weideglück..
Ich fuhr meist mit Fenster offen, ich mag keine Klima-Luft.
Und einmal diese Jahr, zweimal im letzten Jahr rammte ich, immer mit dem Aussen-Spiegel, versehentlich eine Biene.
Die plumpsen dann gerne auf meinen Oberschenkel, wo ich sie unbemerkt mit dem Unterarm zerdrücke.
Autsch ! Oder stechen direkt da wo sie mich treffen.
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Re: Flughöhe?

Beitragvon beeo » 23. Mai 2016, 07:51

In den USA wäre das nicht passiert. Da gibt es bestimmt schärfere Vorschriften für die sichere Gestaltung von Außenspiegeln ;-)
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Re: Flughöhe?

Beitragvon Lukas » 23. Mai 2016, 09:18

beeo hat geschrieben:Bienen haben ihre Evolution nicht gemacht, sie sind und bleiben immer ein Teil von ihr. Varroabehandlung ist bereits eine Konsequenz aus menschlichem Eingriff. Die Suppe haben wir uns selber eingebrockt. Sie kämen aber trotzdem ohne unsere Behandlung zurecht.

Ja, indem sie aussterben und einer angepassten Gattung Platz machen. Die Natur braucht keine Hilfe, da hast du ganz recht. Die Natur erlaubt sich aber auch keine Zimperlichkeiten in Form von "retten wir die Bienen" und wir müssen uns bewusst sein, dass die "Lösung" nicht in unserem Sinne sein muss und schon gar nicht in einem Zeitraum passiert, den ein Mensch auf diesem Planeten noch erleben wird. Die Evolution ist eine Geschichte des Aussterbens von Arten, die nicht mehr an die Situation angepasst waren. In dieser Situation hat die westliche Honigbiene ohne Mensch vermutlich eine ähnliche Chance selbstständig zu erleben, wie ein Apfelbaum Golden Delicious in Spindelform an der Betonsäule.
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Re: Flughöhe?

Beitragvon beeo » 23. Mai 2016, 09:55

Aha, siehste, da ist unsere grundsätzlich Unterscheidung. Ich bin davon überzeugt dass die Bienen zu den Geschöpfen gehören, die am längsten überleben werden, zumindest länger als wir Menschen. Da sie aber zumindest dich und mich überleben und ich nicht an Auferstehung, Wiedergeburt und ähnliches glaube, wird das immer im Bereich der Vermutung bleiben :-) Quasi ein Überraschungspaket j))
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Re: Flughöhe?

Beitragvon waldimker » 24. Mai 2016, 06:54

und sollten wir uns im nächsten leben dann doch begegnen, guckste dumm aus der wäsche! :bigrin:
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Re: Flughöhe?

Beitragvon beeo » 24. Mai 2016, 07:31

Woher willst du wissen dass es in einem anderen Leben noch Wäsche gibt ;-)
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