Impfen oder nicht?

Honig, Bienenwachs, Propolis, Pollen

Impfen oder nicht?

Beitragvon Sauzahn » 18. September 2016, 18:32

Hallo,

meine Frühtrachternte von Ende Mai (Wassergehalt bei wenig erfreulichen 18 %) wird und wird nicht fest. Bisher war es so, dass spätestens nach 6-8 Wochen erste Trübungen durch Kristallisation auftraten, danach ging es relativ schnell und er war fest.

Jetzt ist der Honig 3,5 Monate im Eimer und sollte langsam mal zum Kunden, aber ich kann mich nicht entscheiden, ob ich ihn flüssig verkaufe oder ob ich probieren soll, ich zu impfen.

Habt ihr vielleicht Tips?

Beste Grüße
Sauzahn
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Re: Impfen oder nicht?

Beitragvon Immenfreund » 18. September 2016, 22:40

Ich stelle meine Kartons mit in Gläser abgefüllten (geimpften und gerührten) Honig einige Wochen in den Kühlschrank und dann wird er hell und feinkristallin. Dauert allerding noch lange, bis ich meine Spitzenernte an Frühblütenhonig da durch habe.
Mit freundlichen Grüssen

Helmut

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Re: Impfen oder nicht?

Beitragvon summserum » 21. September 2016, 06:20

Sauzahn hat geschrieben:Hallo,

meine Frühtrachternte von Ende Mai (Wassergehalt bei wenig erfreulichen 18 %) wird und wird nicht fest. Bisher war es so, dass spätestens nach 6-8 Wochen erste Trübungen durch Kristallisation auftraten, danach ging es relativ schnell und er war fest.

Jetzt ist der Honig 3,5 Monate im Eimer und sollte langsam mal zum Kunden, aber ich kann mich nicht entscheiden, ob ich ihn flüssig verkaufe oder ob ich probieren soll, ich zu impfen.

Habt ihr vielleicht Tips?

Beste Grüße
Sauzahn


Hallo,

Ich impfe meinen Frühtracht- und meistens auch den Sommerhonig mit 10 % kristallisiertem Rapshonig, den ich auf 35 Grad erwärme und in den Frühtrachthonig einrühre. Danach wird sofort abgefüllt und die Gläser kommen in den Kühlschrank. Nach 3 - 4 Tagen ist der Honig feinsteif.

Ich hatte, wenn ich mit dem Impfen zu lange gewartet habe, schon das Problem, dass sich in dem an sich noch flüssig und klar erscheinenden Honig doch schon kleine und relativ harte Kristalle gebildet hatten. Diese sind dann, wenn man sie nicht durch Erwärmen auflöst im fertigen Honig spürbar. Man hat den Eindruck, der Honig enthalte Schmutzteilchen. Da sich diese aber im Mund oder in warmem Wasser auflösen muss es sich um Honigkristalle handeln.

Aufpassen muss man auch beim Rapshonig, da dieser sehr schnell kristallisiert, ist er oft nicht besonders sauber, deshalb lasse ich den generell vor dem Impfen durch ein Feinsieb oder Seihtuch (Melitherm).

Wenn man den Honig direkt nach dem Impfen abfüllt, wie oben beschrieben, ist im Glas ja der flüssige Honig und der Impfhonig. Im flüssigen Honig kann bis zum Einsetzen der Kristallisation immer noch eine kleine Menge Blütenstaub aufsteigen und sich an der Honigoberfläche absetzen (sieht aus, wie Schaum). Wenn man dieses vermeiden will, muss man den geimpften Honig im Eimer lassen bis er leicht pastös wird und dann nochmal rühren und erst dann abfüllen. In dem pastösen Honig können die Pollen nicht mehr aufsteigen.

Ich wünsche viel Erfolg.

Viele Grüße
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Re: Impfen oder nicht?

Beitragvon Sauzahn » 24. September 2016, 10:56

summserum hat geschrieben:Ich impfe meinen Frühtracht- und meistens auch den Sommerhonig mit 10 % kristallisiertem Rapshonig, den ich auf 35 Grad erwärme und in den Frühtrachthonig einrühre. Danach wird sofort abgefüllt und die Gläser kommen in den Kühlschrank. Nach 3 - 4 Tagen ist der Honig feinsteif.

Impfst Du sofort nach der Ernte (bzw. dem Abschäumen) oder wartest Du erst einmal? Das Problem bei mir ist mein Kühlschrank mit zu geringer Kapazität. Müsste mir wohl einen zusätzlichen zulegen, um Honig im Glas in nennenswerten Mengen kühlen zu können.
summserum hat geschrieben:Ich hatte, wenn ich mit dem Impfen zu lange gewartet habe, schon das Problem, dass sich in dem an sich noch flüssig und klar erscheinenden Honig doch schon kleine und relativ harte Kristalle gebildet hatten. Diese sind dann, wenn man sie nicht durch Erwärmen auflöst im fertigen Honig spürbar. Man hat den Eindruck, der Honig enthalte Schmutzteilchen. Da sich diese aber im Mund oder in warmem Wasser auflösen muss es sich um Honigkristalle handeln.

Ich persönlich finde kleine Kristalle, die man mit der Zunge spüren kann, eher angenehm. Das selbe Feedback bekomme ich auch von meinen Kunden, weshalb mein Ziel nicht die feinsteife Konsistenz ist, wie sie allgemein als gute Praxis gilt. Dies habe ich bisher dadurch erreicht, dass ich gewartet habe, bis die Kristallisation von allein einsetzt, was bei der Frühtracht immer nach wenigen Wochen der Fall war. Dann regelmäßig manuell durchgerührt, bis sich an der Struktur des Honigs nichts mehr änderte - danach ab ins Glas.

Ich lagere meinen Honig in einem kühlen Raum, aber nicht im Keller (Altbau, ehem. Kohlenkeller, leichtes Feuchteproblem, ist mir daher zu unhygienisch). Durch die Sommerhitze war es natürlich auch in dem sonst eher kühlen Raum wochenlang deutlich über 20 Grad warm, evtl. liegt die verzögerte Kristallisation auch daran.

Ich werde mir das mit dem Kühlschrank mal überlegen, vielen Dank für eure aufschlussreichen Antworten.

Viele Grüße
Sauzan
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Re: Impfen oder nicht?

Beitragvon Boettger » 24. September 2016, 22:26

Im Kühlschrank ist es zwar kalt, es herrscht dort aber i.d.R. auch eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit.
Als Lagerort also nicht geeignet. Oder sehe ich das falsch?
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Re: Impfen oder nicht?

Beitragvon summserum » 25. September 2016, 21:04

Boettger hat geschrieben:Im Kühlschrank ist es zwar kalt, es herrscht dort aber i.d.R. auch eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit.
Als Lagerort also nicht geeignet. Oder sehe ich das falsch?


Hallo Boettiger,

da es im Kühlschrank einen eindeutig kältesten Ort gibt, nämlich den Verdampfer, schlägt sich die Luftfeuchtigkeit am Verdampfer nieder und wird von dort nach außen abgeleitet. Die Luftfeuchtigkeit im restlichen Innenraum, der ja wärmer ist, als der Verdampfer, ist infolgedessen relativ gering. Das gilt natürlich nur, wenn das System in einem ausgewogenen Zustand ist. Wenn die Kühlschranktür alle 2 Minuten geöffnet wird, gilt das nicht.

Ich lasse meinen Honig nur im Kühlschrank, bis er kristallisiert ist. Dieses Jahr wars ja besonders warm, da habe ich den Honig zur Kristallisation in den Kühlschrank gegeben. Letztes Jahr war das nicht notwendig.
Dieses Jahr war im Frühjahrshonig auch schon ein erheblicher Anteil an (vermutlich) Fichtenhonig (Lecanientracht). Dieser hat einen hohen Fruchtzuckeranteil und kristallisiert langsamer als ein üblicher Frühjahrshonig aus Blütentracht.

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Re: Impfen oder nicht?

Beitragvon summserum » 25. September 2016, 21:43

[sauzahn/quote]
Impfst Du sofort nach der Ernte (bzw. dem Abschäumen) oder wartest Du erst einmal? Das Problem bei mir ist mein Kühlschrank mit zu geringer Kapazität. Müsste mir wohl einen zusätzlichen zulegen, um Honig im Glas in nennenswerten Mengen kühlen zu können.
Ich persönlich finde kleine Kristalle, die man mit der Zunge spüren kann, eher angenehm. Das selbe Feedback bekomme ich auch von meinen Kunden, weshalb mein Ziel nicht die feinsteife Konsistenz ist, wie sie allgemein als gute Praxis gilt. Dies habe ich bisher dadurch erreicht, dass ich gewartet habe, bis die Kristallisation von allein einsetzt, was bei der Frühtracht immer nach wenigen Wochen der Fall war. Dann regelmäßig manuell durchgerührt, bis sich an der Struktur des Honigs nichts mehr änderte - danach ab ins Glas.

Ich lagere meinen Honig in einem kühlen Raum, aber nicht im Keller (Altbau, ehem. Kohlenkeller, leichtes Feuchteproblem, ist mir daher zu unhygienisch). Durch die Sommerhitze war es natürlich auch in dem sonst eher kühlen Raum wochenlang deutlich über 20 Grad warm, evtl. liegt die verzögerte Kristallisation auch daran.

Ich werde mir das mit dem Kühlschrank mal überlegen, vielen Dank für eure aufschlussreichen Antworten.
Sauzan[/quote]

Hallo Sauzahn,

ich bin Standimker und habe üblicherweise nur zwei Honigsorten, nämlich Frühtracht und Sommertracht. Diese impfe ich, nachdem ich schon verschiedene Varianten probiert habe inzwischen generell mit 10 % Rapshonig. Diesen Rapshonig bekomme ich von einem befreundeten Imker, der Raps anwandert und zu dem ich Vertrauen habe.

Ich impfe, sobald ich sicher bin, dass der Honig sauber ist (beim Schleudern durch ein Feinsieb sieben und 2 - 3 mal abschäumen). Dann gebe ich 10% Rapshonig zu meinem Honig und rühre diesen mit dem Rapido mit einem Akkuschrauber und niedriger Geschwindigkeit unter. (Keine Luft einrühren, geht aber auch mit einem Rührer aus Holz). Die letzten Jahre kristallisierte der Honig dann innerhalb weniger Tage, ohne Kühlschrank. Dieses Jahr war schon bei der Frühtracht Blatthonig/Fichtenhonig dabei und es war sehr warm, die Kristallisation ging mir zu langsam. Deshalb die Sache mit dem Kühlschrank.

Ich habe inzwischen gelernt.
1.) keinen Honig schleudern, der zuviel Wassergehalt hat.
Wenn der Honig zu feucht ist, zwei Waben aus der Zarge nehmen, die verbliebenen so verteilen, dass Luft durchströmen kann, zwischen die Zargen Distanzhölzer legen und so für eine gute Belüftung sorgen.
Dann in einem kleinen und sauberen Raum heizen und einen Luftentfeuchter/Bautrockner (ebenfalls sehr sauber) aufstellen. Der Honig verliert pro Tag ca. 1% Wasser. Wenn der Honig im Eimer ist, hilft nur noch ein Plattentrockner. Ein derartiges Gerät ist nicht so ohne weiteres verfügbar.

2.) Wenn der Honig sauber und abgeschäumt im Eimer ist, immer mit einer kleinen Menge (500 g Glas) Versuche machen. Impfen / Kühlschrank oder nicht usw. Erst, wenn klar ist, wie sich der Honig bezüglich der Kristallisation verhält, die ganze Ernte entsprechend behandeln.

Einen edlen Tannenhonig würde ich natürlich nicht mit 10% Rapshonig impfen, da würde ich einen Impfhonig aus Tannenhonig und Rapshonig in mehreren Stufen herstellen und somit den Anteil des Rapshonigs äußerst gering halten, oder mit einem feinkristallinen Tannenhonig aus älterer Ernte impfen.

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Re: Impfen oder nicht?

Beitragvon rita » 26. September 2016, 18:55

N`abend,

aus diesem thread konnte ich wieder einige interessante Dinge erfahren.
Die Frage, die sich mir stellt ist aber:
Warum soviel Aufwand und Elektro-Energie aufwenden?
Hier hat sich in (allerdings bisher nur) 2 Jahren der Honigvermarktung rausgestellt, dass die Kund(inn)en zu 2/3 lieber flüssigen Honig wählen (natürlich mit entsprechendem Hinweis auf später mögl. Strukturveränderung).

Ich schäume mehrfach ab, rühre Rapido, siebe danach nochmal durch und fülle ab.
(Bei der Frühtracht rühre ich nach Beginn der Eintrübung, Sommertracht vom letzten Jahr ist immer noch flüssig...)

Hoffentlich habe ich das richtig verstanden; WANN Rapidogerührt wird ist nicht entscheidend, Hauptsache 1x gründlich?

Gruss
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Re: Impfen oder nicht?

Beitragvon summserum » 28. September 2016, 14:55

rita hat geschrieben:N`abend,

Hoffentlich habe ich das richtig verstanden; WANN Rapidogerührt wird ist nicht entscheidend, Hauptsache 1x gründlich?

Gruss


Hallo,

WANN ist schon entscheidend.

Wenn Du feinkristallinen Honig willst, gibt's theoretisch mehrere Wege. Praktisch hat jedes Verfahren seine Tücken, deshalb empfehle ich einen Honigkurs und Versuche mit kleinen Mengen.

1.) Du impfst den abgeschäumten und noch flüssigen Honig mit einem angewärmten aber nicht aufgeschmolzenen feinkristallinen Honig und bringst damit viele kleine Kristallisationskeime in den Honig ein.
Das Einrühren kannst Du mit einem Stab, dem "Auf und Ab" oder dem Rapido mit geringer Drehzahl bewerkstelligen. Dabei nutzt Du den Rapido nur als Mischwerkzeug. Der Honig wird voraussichtlich relativ schnell und fein kristallisieren. Wenn er nicht schnell kristallisiert, muss man nachhelfen (Kühlschrank und/oder weitere Rührvorgänge). Sonst gibt's grobe Kristalle und er wird hart.

2.) Du rührst den abgeschäumten Honig während dem Kristallisationsprozess mehrfach. Beginnend, wenn er eine sogenannte "Perlmuttfarbe" bekommt. Damit störst Du die Bildung großer Kristalle bei jedem Rührvorgang und der Honig wird feinkristallin. Rührwerkzeuge wie bei 1.)

3.) Du lässt den abgeschäumten Honig ohne weitere Beeinflussung kristallisieren. Er wird vermutlich grobkristallin und hart werden. Dann wärmst Du diesen Honig etwas an und benutzt den Rapido in Verbindung mit einem Rührwerk oder einer leistungsfähigen Bohrmaschine. In diesem Fall benutzt Du den Rapido als Werkzeug, das die groben Kristalle mechanisch zerschlägt und Du erhältst cremigen Honig. (siehe Video von Simon oder Anleitung von http://www.biorat.de)

In Gläser fülle ich erst ab, wenn ich meiner Sache sicher bin. Wenn der Honig im Eimer ist und die Kristallisation ist nicht wie gewünscht, kann ich ihn relativ einfach wieder aufschmelzen. Wenn er in Gläsern ist und die Kristallisation ist schiefgegangen, ist das Wiederaufschmelzen richtig Arbeit.

Ich wünsche viel Erfolg.

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Re: Impfen oder nicht?

Beitragvon waldimker » 28. September 2016, 19:08

dann hattest du schon honig, der nach der feinsteifigen Konsistenz nochmal "dummheiten" gemacht hat? ich hatte bislang zum glück nur welchen, der dann auch wirklich genau so blieb. heute wieder eine erfreute kundin an meinem selbstbedienungsstand: scheibe runtergekurbelt, finger im glas, strahlendes lächeln... :thumbsup:

ich hab bisher immer die perlmutterisierung abgewartet. manchmal genügte einmal rühren, zum zweiten kam ich gar nicht, so schnell ging das.

normal ausgehärteter frühjahrsblütenhonig ohne rühren schmeckt nicht so gut, find ich. in den waben gelassen wird er richtig derb und grobkristallig. schmeckt dann eigentlich nicht mehr. für weihnachten hab ich ein paar wabenhonigstücke eingefroren. bin mal gespannt, wie der herauskommt.
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Re: Impfen oder nicht?

Beitragvon summserum » 3. Oktober 2016, 21:53

waldimker hat geschrieben:dann hattest du schon honig, der nach der feinsteifigen Konsistenz nochmal "dummheiten" gemacht hat? ich hatte bislang zum glück nur welchen, der dann auch wirklich genau so blieb. heute wieder eine erfreute kundin an meinem selbstbedienungsstand: scheibe runtergekurbelt, finger im glas, strahlendes lächeln... :thumbsup:

ich hab bisher immer die perlmutterisierung abgewartet. manchmal genügte einmal rühren, zum zweiten kam ich gar nicht, so schnell ging das.

normal ausgehärteter frühjahrsblütenhonig ohne rühren schmeckt nicht so gut, find ich. in den waben gelassen wird er richtig derb und grobkristallig. schmeckt dann eigentlich nicht mehr. für weihnachten hab ich ein paar wabenhonigstücke eingefroren. bin mal gespannt, wie der herauskommt.


Hallo Waldimker,

ich habe bisher keine eigenen abgfüllten Honiggläser wieder eingeschmolzen, aber ich habe das schon bei Kollegen gesehen und war dabei mithelfend tätig.

Was machst Du denn, wenn die "Perlmuttisierung" wie z. b. dieses Jahr, nach Monaten im Frühjahrshonig nicht eintritt und sich im Honig kleine harte Kristalle bilden. Oder wenn der Sommerhonig auch nach einem halben Jahr nicht anfängt zu permuttisieren/kristallisieren. Dann brauchst Du das ganze Repertoir der Kristallisationssteuerung. (Rühren, Impfen, Kühlen). Eigentlich ist die Sache ja nicht schwierig. Man muss nur eine übersättigte Lösung schaffen, in der ausreichend Kristallisationskeime vorhanden sind. Dann kristallisiert der Honig fein und wird wie die Kunden sagen "schmalzig".

Viele Grüße
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Re: Impfen oder nicht?

Beitragvon waldimker » 4. Oktober 2016, 08:56

Wie gesagt, den Fall hatte ich noch nicht. Freilich ließe sich ohne Weiteres ein Impfen durchführen. Kühlen geht bei mir automatisch. Lass ich die Eimer auf dem Boden im Schleuderraum stehen.... in unserem kühl-feuchten Schwarzwaldtal...
Ein in-den-Kühlschrank-Stellen find ich zu mühsam. Impfen müsste ausreichen?
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Re: Impfen oder nicht?

Beitragvon Sauzahn » 20. Dezember 2016, 10:49

Hallo,

um das Thema mal abzuschließen, jedenfalls was mein ursprüngliches Problem betrifft: Impfen hat zunächst nur wenig gebracht - erst als es mal für längere Zeit kühl wurde und auch der Honig im Lager endlich gleichmäßig kühl stand, ging das richtig flott mit der Kristallisation.

Wieder was gelernt: für die kommende Ernte wird ein "Thermischer Kristallisationsbeschleuniger" (aka Kühlschrank) angeschafft.

Beste Grüße
Sauzahn
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Re: Impfen oder nicht?

Beitragvon FranzBurnens » 20. Dezember 2016, 12:58

Dass Honig schon mal länger braucht, bis die Kristallisation anzieht, kommt ja oft vor. Aber mit dauerkühler Lagerung wird das nicht beschleunigt. Verhindert höchstens eine Verschlechterung der Qualität, die bei zu warmer Temperatur eintreten würde.

Impfen macht den Unterschied. Wenn das früh nach der Ernte geschieht (und keine Reaktion daraufhin), wird man eben häufig den Rührer schwingen müssen. Im Vergleich zur ungeimpften Variante erhält man aber eine feinere Kristallisation (Sommertracht).
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Re: Impfen oder nicht?

Beitragvon FranzBurnens » 20. Dezember 2016, 13:06

summserum hat geschrieben:Einen edlen Tannenhonig würde ich natürlich nicht mit 10% Rapshonig impfen, da würde ich einen Impfhonig aus Tannenhonig und Rapshonig in mehreren Stufen herstellen und somit den Anteil des Rapshonigs äußerst gering halten, oder mit einem feinkristallinen Tannenhonig aus älterer Ernte impfen.

Habe noch keinen Tannenhonig selbst produziert, gekaufter ist aber nie cremig oder fest.
Bekommt er nicht eine hässliche Farbe, wenn man den so behandelt wie beschrieben?
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Re: Impfen oder nicht?

Beitragvon summserum » 20. Dezember 2016, 17:46

FranzBurnens hat geschrieben:Dass Honig schon mal länger braucht, bis die Kristallisation anzieht, kommt ja oft vor. Aber mit dauerkühler Lagerung wird das nicht beschleunigt. Verhindert höchstens eine Verschlechterung der Qualität, die bei zu warmer Temperatur eintreten würde.

Impfen macht den Unterschied. Wenn das früh nach der Ernte geschieht (und keine Reaktion daraufhin), wird man eben häufig den Rührer schwingen müssen. Im Vergleich zur ungeimpften Variante erhält man aber eine feinere Kristallisation (Sommertracht).


Flüssiger Honig ist (bezüglicher der Kristallisation betrachtet) eine Lösung von Zucker in Wasser.
Die Kristallisationsneigung ist (neben weiteren Faktoren) abhängig vom Sättigungsgrad. Je höher der Sättigungsgrad, desto höher die Kristallisationsneigung.

Nehmen wir das Beispiel Zuckerwasser.
Wenn ich Zuckerwasser herstelle mit 20 Grad warmem Wasser, löst sich irgendwann kein Zucker mehr. Die Lösung ist gesättigt bei einer Temperatur von 20 Grad.
Wenn ich diese Lösung auf 80 Grad erwärme, sinkt der Sättigungsgrad und ich kann weiteren Zucker auflösen, solange, bis sich auch bei der erhöhten Temperatur kein Zucker mehr auflösen lässt. Die Lösung ist dann gesättigt bei 80 Grad.
Wenn ich diese warme Lösung auf 20 Grad abkühlen lasse, ist sie übersättigt. Der Zucker, der nach dem Erwärmen noch auflösbar war, wird nicht sofort, aber längerfristig auskristallisieren.

Wenn ich den Honig impfe, gebe ich Kristallisationskeime in den Honig. diese führen dazu, dass sich viele kleine Kristalle bilden. Ohne Kristallisationskeime würden wenige große Kristalle wachsen.
Das Wachstum der großen Kristalle kann ich auch verhindern, indem ich das Kristallwachstum durch Rühren störe, so dass sich so aus den Bruchstücken der großen Kristalle auch viele kleine Kristalle bilden.
Wenn ich den Honig nun zusätzlich abkühle steigere ich dadurch den Grad der Übersättigung und erhöhe dadurch die Kristallisationsneigung.
Die Abkühlung zur Unterstützung der Kristallisation ist nur notwendig, bis der Honig kristallisiert ist.
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Re: Impfen oder nicht?

Beitragvon summserum » 20. Dezember 2016, 18:05

FranzBurnens hat geschrieben:
summserum hat geschrieben:Einen edlen Tannenhonig würde ich natürlich nicht mit 10% Rapshonig impfen, da würde ich einen Impfhonig aus Tannenhonig und Rapshonig in mehreren Stufen herstellen und somit den Anteil des Rapshonigs äußerst gering halten, oder mit einem feinkristallinen Tannenhonig aus älterer Ernte impfen.

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Bekommt er nicht eine hässliche Farbe, wenn man den so behandelt wie beschrieben?


Tannenhonig kristallisiert längerfristig auch und zwar, wenn dieses unkontrolliert geschieht sehr grobkristallin. Außerdem kann sich dann die Fruktose gegenüber der Glukose absetzen. Mann hat dann unten im Glas einen hellen grobkristallinen Honig (Glukose) und oben einen dunklen flüssigen (Fruktose).
Dieses kann man verhindern, indem man auch beim Tannenhonig die Kristallisation durch Impfen und Rühren usw. steuert. Allerdings bleibt der Tannenhonig mehrere Monate flüssig. Wenn aber die Kristallisation beginnt, sollte man diese steuern oder den Honig durch Erwärmung wieder verflüssigen, bzw. flüssig halten.

Kristallisierter Tannenhonig ist heller als flüssiger, aber dunkler als kristallisierter Blütenhonig.
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