Varroadruck im März (ca. 5 Milben pro Tag)

Varroadruck im März (ca. 5 Milben pro Tag)

Beitragvon Zazinikki » 21. März 2017, 20:50

Schönen guten Abend zusammen,

zunächst möchte ich mich kurz vorstellen, mein Name ist Jan und ich bin seit ca. 2,5 Jahren Jungimker und komme aus NRW.
In diesem Forum bin ich schon lange ein stiller Leser eurer Erfahrungen und Beiträge. Aus oben genannten Anlass, habe ich mich aber nun entschlossen auch mal eine Frage zu stellen und bin gespannt auf eure Meinungen.

Ich habe den letzten Winter 3 Altvölker und 2 Jungvölker eingewintert. Den Milben befall habe ich über die Gemülldiagnose seit Mitte/Ende Februar bei allen Völkern angefangen zu beobachten. 4 Völker sind offenbar im Limit, anhand der Zählungen komme ich bei den meisten auf max. 0,5 Milben pro Tag oder gar noch weniger.

Lediglich ein Altolk scheint aus dem Ruder zu laufen. Vor drei Wochen habe ich noch ca. 2,5 Milben pro Tag gezählt, am letzten Freitag waren es nach zählen bereits 5 Milben pro Tag. Bereits im Frühjahr letzten Jahres ist mir ein erhöhter Befall bei diesem Volk aufgefallen, weshalb ich es natürlich besonders beobachte. Maßnahmen zur Reduzierung und Bekämpfung des Varroadrucks wurden im vergangenen Jahr durchgeführt:

- Drohnenrahmen regelmäßig geschnitten
- 2 x Ameisensäure Behandlung (Juli/September)
- Restentmilbung durch Oxalsäure träufel Behandlung

Anscheinend waren die Behandlungen bei diesem Volk nicht sehr erfolgreich bzw. nachhaltig U)
Das Volk sitzt auf 4 Waben (zwei Zargig überwintert / Stand vor ca. 3 Wochen)
An den warmen Flugtagen ist gut was los, augenscheinlich weniger Flugbienen als bei den anderen Altvölkern, aber immerhin Pollen wird eingetragen und es herrscht emsiges treiben.

Ich imker übrigens mit Zandermaß

Nun aber meine eigentlichen Fragen:

- der Milbenfall pro Tag ist/scheint ja bereits stark über den Limit zu sein, ich hatte vor mir das bis Ende Mai anzuschauen und dann TuB bei diesem Volk durchzuführen.
Würdet Ihr ebenfalls solange warten oder bereits lange vorher tätig werden?

- Ist eine Vollständige Brutentahme alternativ eine bessere Lösung um das Volk zu entlasten?

- Macht auf lange Sicht eine Umweiselung über Ableger der "gesünderen" Völker sinn?

- Generell stellt sich mir die Frage nach guten Tipps/Methoden um Völker die anscheinend unter hartnäckigen Milbenbefall leiden, wieder auf Vordermann zu bringen.

Vielen Dank schon mal fürs lesen und eure Mühen.

Schöne Grüße

Jan
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Re: Varroadruck im März (ca. 5 Milben pro Tag)

Beitragvon Bienefix » 22. März 2017, 18:51

Ich würde das Volk jetzt mit OS oder MS behandeln.
Da es dann natürlich für die Honigernte ausfällt, würde ich es weiter für einen Sammelbrutableger verwenden und die daraus gebildeten Ableger dann bei der Erstellung natürlich auch noch einmal behandeln.
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Re: Varroadruck im März (ca. 5 Milben pro Tag)

Beitragvon ako » 22. März 2017, 20:51

Hallo,

5 Milben fallen am Tag. Das ist viel, aber mit MS oder Oxalsäure würde ich nicht behandeln, dafür ists dann doch zu wenig....

Ich würde das Volk normal führen bis die Frühtracht rum ist. Dann totale Brutentnahme und eine Fangwabe belassen bis diese verdeckelt ist. Diese dann raus. Die Brutwaben können wenn sie geschlüpft sind 2x mit MS behandelt werden und du hast nen schönen Ableger bis zum Herbst. Das Altvolk wir dann wohl nicht mehr soviel Sommerhonig bringen aber die Feühtrscht hast du im Keller.
Das ganze Volk jetzt mit MS oder OS "versauen" würde ich bei diesem Befall nicht.

Außer eben du erkennst deutliche Anzeichen von Varroaschaden....

P.S. Hast du das Volk noch auf zwei Zargen sitzen?
Falls ja dann würde ich es sofort auf eine Zarge einengen, denn zwei Zargen plus Honigraum werden die zur Frühtracht nicht mehr schaffen, dann lieber die Methode meines Vorredners.
Liebe Grüße
Ako
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Re: Varroadruck im März (ca. 5 Milben pro Tag)

Beitragvon immelieb » 23. März 2017, 15:24

5 Milben pro Tag natürlicher Milbenfall im März?
Wann im März? Wie sahen die Milben aus? Waren es nur dunkle? Oder waren auch ein paar helle dabei?
Die Völker in NRW haben etwa Mitte Februar so richtig mit dem Brüten angefangen. Brut im nennenswerten Umfang schlüpft seit Mitte März.
Die fortlaufende Ausdehnung des Brutnestes ging/geht einher mit Putzaktionen. Da kommt es vor, dass manche Milbe, die im Spätherbst/Winter verstorben ist, erst jetzt im Frühjahr gefallen ist oder fällt.
Wenn man im Februar/März täglich Milben zählt (oder wie ich in 2017 gezählt hat) ist eindeutig zu erkennen, dass der natürliche Milbenfall dem Temperaturverlauf folgt. An bzw. nach warmen Tagen fallen mehr Milben als an kühlen Tagen.
Hinzu kommt: Die Anzahl von Bienen und Brutzellen nimmt im April/Mai/Juni schneller zu als die Anzahl der Milben! Der relativ Varroabefall von Bienen und Brut sinkt, auch wenn sich die Varroamilben vermehren und ihre Anzahl sich jeden Monat verdoppelt.
Meine Empfehlung:
1. Völker normal führen. Dazu gehört:
2. Drohnenbrut als Varroafalle nutzen! Wenn im April/Mai/Juni alle 3 Wochen 1 Drohnenbrutwabe ausgeschnitten wird, nimmt die Milbenzahl nur halb so schnell zu.
3. Den Milbenfall im Abstand von 2-3 Wochen erfassen.
Sorgen muss man sich erst machen, wenn der natürliche Milbenfall im Juni/Juli über 50 Milben/Tag klettert.
Gruß
Gerhard Liebig
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Re: Varroadruck im März (ca. 5 Milben pro Tag)

Beitragvon womo » 23. März 2017, 15:27

Hallo Jan!

Ich möchte mich meinem Vorredner anschließen. Dieses Problem hatte ich letztes Jahr ebenfalls bei einem Volk. Aber mit TBE und Fangwabe hat das recht gut funktioniert. Wäre das Wetter besser gewesen im Mai-Juni, hätten wahrscheinlich beide Volksteile Honig gebracht. Ich würde halt auch noch die Frühtracht abwarten. Jetzt wird eh viel gebrütet. Ich hatte Anfang Mai ca. 50 M/d. Heuer leben beide Völker und sind gut dabei.
Also gutes Gelingen

Wolfgang
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Re: Varroadruck im März (ca. 5 Milben pro Tag)

Beitragvon Zazinikki » 29. März 2017, 09:03

Guten Morgen zusammen,

herzlichen Dank für eure Rückmeldungen, Vorschläge und guten Rat.

Für dieses Volk, habe ich mal die Milben Zählung meiner Stockkarte zusammengefasst:

- 05.02. - 11.02. Erste Zählung: 6 Milben / 6 Tage Milben dunkelrot vermutlich alt ca. 1 Milbe p.T.
- 11.02. - 18.02. 12 Milben / 7 Tage Milben dunkelrot ca. 1,7 Milben p.T.
- 18.02. - 25.02. 0 Milben / 7 Tagen Kaum Schrot, innerhalb des Messungszeitraums gab es einen Orkan. Vermutlich verfälschtes Ergebnis
- 25.02. - 06.03. 26 Milben / 11 Tage Milben dunkelrot ca. 2,36 Milben p.T.
- 06.03- - 12.03. 21 Milben / 6 Tage Milben dunkelrot ca. 3,5 Milben p.T.
- 12.03. - 17.03. 25 Milben / 5 Tage Milben dunkelrot ca. 5 Milben p.T.
- 17.03. - 27.03. 16 Milben / 10 Tage davon 15 Milben dunkelrot & 1 Hellrote ca. 1,5 Milben p.T.

Am letzten Freitag 24.03. habe ich eine Durchsicht gestartet und ca. 3,5 BW entdeckt, 1,5 x Waben beidseitig verdeckeltes Winterfutter, Volk sitzt auf beinahe allen Waben in der oberen Zarge, die Bienen saßen auch unten, dort wurde Nektareintrag und Pollen gefunden, allerdings noch keine Brut. Das Volk ist weißelrichtig und bei dem aktuellen Wetter herrscht guter Flugbetrieb. Drohenrahmen wurde eingesetzt.

Anzeichen auf Varrroaschäden (verkrüppelte Flügel bspw.) konnte ich während der Durchsicht nicht entdecken.

Achja und einen Bienenstich habe ich mir eingefangen U)

Naja das war jetzt mal ein Versuch euch eine detaillierte Darstellung von diesem Volk zu liefern.

Herr Liebig, wie bereits oben erwähnt waren die meisten der gezählten Milben dunkelrot.(vermutlich adulte Tiere?) :vr:

Danke an Ihnen und allen anderen, dass ihr euch Meiner angenommen habt.

Ich werde nun weiterhin beobachten und früher oder später dieses Volk "Teilen und Behandeln", gleichzeitig wollte ich dann das neue OXUVAR für die Sprüh-Behandlung des Fluglings und Ablegers verwenden (wurde bereits vorbestellt).

Wünsche allen noch einen schönen und sonnigen Tag.

Schöne Grüße

Jan
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Re: Varroadruck im März (ca. 5 Milben pro Tag)

Beitragvon immelieb » 29. März 2017, 14:41

Danke für die Mitteilung des Milbenfalls.
Ich habe ihn mit dem in Bochum gemessenen Temperaturverlauf verglichen.
Es ist eine Übereinstimmung zu erkennen.
Ich selbst habe auch dieses Jahr mehrere Völker unter Beobachtung, die ohne "Restentmilbung" überwintert haben. Bei ihnen liegt der natürliche Milbenfall zurzeit über 5 Milben/Tag.
Diese Völker werden bis August durchhalten, ohne dass Varroaschäden auftreten, auch weil ich mehrfach die verdeckelte Drohnenbrut ausschneiden werde.
Der erste Baurahmen wurde gestern eingehängt. In etwa 3 Wochen werde ich lebende Milben ernten, die im Labor mit Ultraschall behandelt werden sollen.....
Im Freiland hat die Behandlung von Völkern mit dem Varroa-Killer-Sound im Februar/März keinen erhöhten Milbenfall ausgelöst. Dieses Ergebnis steht im krassen Widerspruch zu den Veröffentlichungen des Erfinders.
Deshalb werde ich die Sache grundsätzlich angehen, und zwar mit einem Gerät, bei dem ich die Frequenz und den Schalldruck in weiten Grenzen wählen kann.
Es wird etwas Zeit in Anspruch nehmen, bis Klarheit herrscht. Das bin ich von der Untersuchung anderer Fragestellungen, die ich jahrelang und an mehreren Ständen im Programm hatte, gewohnt: Reizen (man kann Völker nicht reizen), Dadantbeute (für die Volksentwicklung ist es ohne Bedeutung, ob die Völker auf vielen kleinen oder wenigen großen Waben gehalten werden), Buckfast (sie ist nicht besser als die Carnica und beide sind nicht besser als die "Wald- und Wiesenbiene"), Kunststoffbeute, Bodenheizung, Varroa Catch, ....
Dass nicht jeder diese Ergebnisse akzeptiert gehört zum Leben. Glauben ist leichter als Wissen, aber auch teurer.
Gruß
Gerhard Liebig
Milbenfall und Temperaturverlauf.pptx
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Re: Varroadruck im März (ca. 5 Milben pro Tag)

Beitragvon FranzBurnens » 29. März 2017, 15:12

immelieb hat geschrieben:Dass nicht jeder diese Ergebnisse akzeptiert gehört zum Leben. Glauben ist leichter als Wissen, aber auch teurer.

... und dass man es manchmal etwa genauer wissen möchte, gehört auch zum Spiel.

Nicht jeder vermag Schlussfolgerungen zu akzeptieren, die Versuchsansteller meinen, ziehen zu müssen. Bsp.: "Zwei [Brutäume] sind keiner zu viel".
Da sollten schon Voraussetzungen, Rahmenbedingungen, Vorgehensweisen der Untersuchung detailliert und offen für Kritik/Verbesserungsvorschläge mitgeteilt werden.
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Re: Varroadruck im März (ca. 5 Milben pro Tag)

Beitragvon keinimker » 29. März 2017, 21:49

Hallo,
da werde ich wohl die Windel wieder einschieben. Bis um den 20.2. habe ich Milben gezählt. es gab aber kaum etwas zu zählen. Nun die Ergebnisse von Dr. Liebig. Das nehme ich mal als Aufforderung!
Gruß
Harald
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