Einzargige Betriebsweise

Was Imker machen und Bienen (nicht) tun

Einzargige Betriebsweise

Beitragvon Waldi » 3. April 2017, 10:06

Hallo,
habe meine Völker mit eine Zarge überwintert. ;)- ;)-
Hab mal ein Beitrag vor Jahren gelesen das es sinn macht auf die Einzarger den HR draufsetzen, und später den 2 BR.
Finde leider den Beitrag nicht mehr, hat da jemand einen Tipp?
Was muss ich da beachten?
Habe am Wochenende die HR über ASG draufgesetzt.
Um ehrlich zu sein stören mir jedes Jahr die ASG, kann mich irgendwie damit nicht anfreunden, letztes Jahr hab ich die nach eine Woche Tracht alle Rausgeholt.
Das Ergebnis bei mehreren Völker ist die KÖ hochgeflutscht und mehrere fast volle HW den unteren Rand bestiftet hat.
Gibt es eine Möglichkeit ohne ASG zu imkern?
Was muss ich beachten damit die KÖ nicht nach oben Flutscht?
Es Grüßt

Waldi
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Re: Einzargige Betriebsweise

Beitragvon Cabovelas » 3. April 2017, 10:19

Viele Fragen die man so nicht pauschal beantworten kann oder sehr weit ausholen müsste.

Ob man nun mit einem oder zwei BRs imkern möchte ist einerseits Glaubensfrage sowie eine Frage der Betriebsweise. Ich habe lange ganz "normal" mit zwei Zander BRs nach Liebig geimkert. Das funktioniert, die Kippkontrolle ist schön, die Wabenhygiene ist einfach.
Letztes Jahr habe ich angefangen Völker auf einem Brutraum zu führen. Folgendes hat mich dazu bewogen: Bei zweizargiger Völkerführung waren im 1. BR mind. 3 eher 4 Waben im Randbereich meist leer oder mit Futter gefüllt, im 2. BR gab es häufig eine Dicke Honigkappe und die beiden Randwaben waren immer komplett voll mit Honig.
Bei Einzargiger Betriebsweise sind 8-10 Waben dicht bebrütet, es gibt keine Honigkappe, das Volk ist leichter zu kontrollieren und zu überschauen.
Es gibt definitiv Vor und Nachteile die sich denke ich fast aufwiegen. Ich versuche mal diese niederzuschreiben:

Ein Brutraum:
Vorteile
- Schnelleres durchschauen (bei Schwarmstimmung)
- Honig fast ausschliesslich im HR
- weniger durcheinander

Nachteile
- Wabenhygiene erschwert (durch Ableger und das Einengen im Frühjahr allerdings kein Problem)
- Angeblich kommen die Völker leichter in SS. (Konnte ich bisher nicht feststellen)
- Kippkontrolle unzuverlässiger

Zwei Bruträume:
Vorteile
- Mehr Platz für das Volk
- Kippkontrolle möglich
- Wabenhygiene nach System

Nachteile
- Honigkranz
- Viel Honig im BR
- Bei SS grösserer Aufwand des Durchschauens

Da fehlen sicher noch einige Punkte. Alles in allem denke ich aber jeder muss für sich herausfinden was ihm eher liegt und womit er besser klarkommt.
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Re: Einzargige Betriebsweise

Beitragvon Zazinikki » 3. April 2017, 10:56

Hallo Waldi,

dieses Thema hat Liebig vor kurzem in seinem Blog erwähnt.

http://www.immelieb.de/fast-alles-in-schwung/

Schöne Grüße

Jan
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Re: Einzargige Betriebsweise

Beitragvon FranzBurnens » 3. April 2017, 11:26

Waldi hat geschrieben: stören mir jedes Jahr die ASG, kann mich irgendwie damit nicht anfreunden, letztes Jahr hab ich die nach eine Woche Tracht alle Rausgeholt.

Das läßt sich kaum vermeiden besonders bei einzargigem Zander-Brutraum. Da nutzt die Kö jede Lücke, um in die obere Kiste zu freien Zellen durchzuwischen. Wer ohne ASG arbeitet, braucht im HR Dickwaben, die schwer zu bestiften sind. Heißt weniger Rähmchen auf größeren Abstand hängen, dann werden die Zellen 'automatisch' länger ausgezogen.
Bis man ausgebaute Dickwaben hat, sollte aber das ASG eingelegt bleiben, sonst sind die Eier vorher schon drin.
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Re: Einzargige Betriebsweise

Beitragvon waldimker » 3. April 2017, 12:14

Ob Dickwaben die Kö am stiften hindern, wage ich zu bezweifeln.

Das Imkern ohne ASG wird hier im Schwarzwald reihum praktiziert. Es werden eben nur die reinen Honigwaben raussortiert beim Schleudern. Die Königin brütet oft über drei, manchmal vier Zargen dahin.

Für das Imkern mit EINEM Brutraum und ohne ASG musst Du Dich an die Demeter-Imker anlehnen. Die haben aber mind. 9 Waben Zadant oder eine sonstige hohe Wabe. Und nehmen dennoch in Kauf, dass der erste HR oft mit bebrütet wird.
Eng halten! Wenig Honigraum geben.

Ein weiterer Vorteil des zweiräumigen Einwinterns: Man kann mehr oder minder uferlos auffüttern.

Und die Kippkontrolle. Sonst wüsst ich fast keine.
Meine Zandervölker kriegen (wegen Platzmangel) nur 8 Waben im Brutraum. Der Drohnenbau füllt freilich den hohen Boden ....

Probier mal ASG im Rahmen (korrekte Beespaces beachten!). Da gehen die durch wie nix.
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Re: Einzargige Betriebsweise

Beitragvon summserum » 3. April 2017, 13:44

Hallo,

ich bin kein Freund der einzargigen Betriebsweise (Zander 1).

Die Vorteile der zweizargigen Betriebsweise wurden ja schon aufgezählt.

Ich versuche m. E. erfolgreich, einige Nachteile der zweizargigen Betriebsweise zu kompensieren.

Ich habe Futtertaschen (2 Wabenbreiten) aus Holz mit einem Holzdeckel versehen. Die Futtertaschen bilden so einen für Bienen nicht zugänglichen dichten Hohlkörper. Ich bezeichne dieses Teil als Holzbox.

Wenn ich vor dem Aufsetzen des Honigraumes die Völker durchschaue und überzählige Futterwaben herausnehme oder umverteile setze ich in den oberen Brutraum an den Rand eine solche Holzbox. Der obere Brutraum hat somit nur 7 Waben und einen Drohnenrahmen.
Darüber kommt der Honigraum über Absperrgitter, jeweils links und rechts mit einer Holzbox, in der Mitte wenn vorhanden mit 2 unbebrüteten Leerwaben, links und rechts der Leerwaben noch je 2 Mittelwände. Also 6 Waben im Honigraum.

Die Bienen haben dadurch viel weniger Platz, den Honig im Brutraum einzulagern und nehmen den Honigraum mit weniger Problemen an.

Im Honigraum wird der Honig nicht auf viele Waben verteilt, sondern es werden die wenigen Waben gleichmäßiger befüllt.

Je nach Entwicklung des Volkes und der Tracht belasse oder entnehme ich Holzboxen und ersetze diese durch Mittelwände.

Ich sehe folgende Vorteile:
Die Bienen bevorzugen einen hohen schmalen Raum gegenüber einem breiten niederen.
Ich schleudere weniger Waben, weil diese besser gefüllt sind.
Der Luftraum im Honigraum ist kleiner, die Ventilation funktioniert besser, der Honig ist eher trocken.
Ich habe durch herausnehmen einer Holzbox immer irgendwo Platz, um gefüllte Honigwaben eines starken Volkes bei einem schwächeren unterzubringen, das den Platz nicht braucht.
Ich kann problemlos Platz schaffen für Zuchtrahmen.
Das Handling der Holzboxen ist völlig problemlos. Ich habe Zargen mit Mittelwänden dabei. Aus diesen nehme ich Mittelwände heraus und hänge die Holzboxen ein.
Ich habe nur ein Wabenmaß und ein Zargenmaß.
Ich kann den Brutraum und den Honigraum ganz einfach an die Volksstärke und die Trachtverhältnisse anpassen.
Ich kann das Gewicht der vollen Honigräume steuern. die Holzboxen sind sehr leicht.
Die Holzboxen sind billig herstellbar, werden beim ersten Einsatz propolisiert und brauchen keine weitere Wartung.
Wenn der Deckel abnehmbar gestaltet wird, können die Holzboxen bei Bedarf auch als Futtertaschen dienen.
Meine Holzboxen haben im Bereich der Auflage an der Zarge ein kleines Loch. Durch dieses Loch kann ich eine Spax-Schraube stecken und die Box mit der Zarge verschrauben. Das ist besonders praktisch beim Transport von Ablegern auf wenigen Waben. Ich brauche nicht den ganzen Leerraum der Zarge mit Rähmchen befüllen, damit sich die Ablegerwaben nicht verschieben können.

Viele Grüße
summserum
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Re: Einzargige Betriebsweise

Beitragvon Hamamelishonig » 3. April 2017, 15:07

Das ist wieder so eine Philosophiefrage die man nicht mit schwarz oder weiss und schon garnicht ohne die Bienenrasse oder die Volksstärke zu nennen pauschal beantwortet kann. Ich arbeite mit zwei Bienenrassen, die Carnica als Frühtrachtbiene powert gerade und hat den Honigraum schon gut angenommen, obwohl sie vorwiegend mit 2 Bruträumen bestückt sind, meine Dunklen sind mit einem Brutraum leichter zu führen, zumal hier der Brutraum dann auch nur für Brut benutzt wird. Dreizargig (2 BRe) ist bei den Dunklen pures Chaos, das hab ich nach 3 Jahre abgeschafft, allerdings wintere ich sie auch zweizargig ein, diese werden dann spätestens Anfang März zum Einzarger und bekommen dann den HR über ASG.

Wenn ich Honigwaben im Brutraum der Carnicas finde, hänge ich diese um und verkleinere auch den Brutraum. Teilweise hab ich Carnicas auch nur auf einem Brutraum, erweitere aber nach der Frühtracht nach unten. Vom Honig interessiert mich der Blütenhonig am meisten, wenn die Obstbäume verblüht und der erste Honig raus ist, kriegen die Carnicas den 2.Brutraum untergesetzt und meisstens im Juni zur Läppertrachtzeit getauscht, bevor die AS-Behandlung und Einfuetterung startet (Brut ist da dann höchstens in den mittleren Waben am oberen Rand vorhanden). Einen stärkeren Schwarmtrieb hab ich bei mir dadurch bisher nicht beobachtet, ich hab auch keinen Raps im Flugkreis meines Heimstandes.

Die Wabenhygiene ist auch bei mir mit nur einem BR gut machbar, ich entnehme bein Drohnenrahmenschnitt dabei (immer) auch die Randwabe (Pollenwabe oder ausgelaufene Brut) und stecke nach der Haupttracht eine frische MW in die Mitte des BR. Das wird zwar im Frühling von vielen abgelehnt, zurecht, ab Mitte Mai ist mir das aber egal, dadurch ruschen die dunklen Waben langsam nach aussen. Alternativ kommen auch Brutwaben für Brutableger oder Sammelbrutableger aus der Mitte raus....

Das (die verallgemeinerte Tipps) stoert mich auch am den Monatsbetrachtungrn so gewaltig. In Bochum gibts ja keine Buckfast, keine Dunklen oder keine Reutlinger Landrassen, alle Bienen verhalten sich hier gleich. Und die Trachtlage ist im Bundesgebiet einheitlich, mit immer gleicher Auswirkung auf das Brutverhalten und den Schwarmtrieb.

Aber auf das ASG verzichte ich im Frühjahr nicht und ich mach das eine oder andere oben beschriebene eben nicht pauschal bei allen sondern an die Situation, Volksstärke, Trachtangebot Bienenrasse und eigenes Bauchgefühl angepasst. Da ich Sommerhonig schlecht los bekomme, lass ich die Damen ab Ende Mai bauen, idealerweise auch Naturwaben in gedrateten Rähmchen, das kann bei mir im Anfang Juni auch auf Pos 4 in der Zanderbeute hängen, wenn der Drohnenrahmen noch ausgebaut wird.

Simon hat das auch mal als Erweitern von 1 auf 3 beschrieben (Vodeo), wobei ich auf 3 (2.Brutraum) erst nach der Frühtracht gehe. Wenn zuviel Platz unten vorhanden ist, dann ist für mich das ASG eine Honigraumbremse, egal ob Beespace unter dem ASG vorhanden ist oder nicht. Die Bienenmasse für den zweiten Brutraum muss da sein, dass dieser sich lohnt, da sträube ich mich ein wenig bei den pauschalisierten Ratschlägen.

Zudem die Tipps für das ASG, mal mit Rahmen mal ohne. Ich hab mir vor 4 Wochen 4 Rahmen gekauft und dann feststellen muessen, dass die Rahmen einen Beespace von 16 mm erzeugen, untauglich.... Dann stimmt natürlich der Hinweis in der aktuellen Monatsbetrachtung der Bienenpflege. Aber es steht nicht dabei, welcher Rahmen und welches ASG bei welcher Beute von welchem Hersteller denn einen Beespace von 6 mm herstellt oder welcher Rahmen eben nicht passt.... also Tipps der Extraklasse...! Simon hat mal irgendwo geschrieben, dass er seine Liebigbeuten-Zargen abgehobelt hat, dass mit passenden Rahmen der Beespace eingehalten wird... vielleicht findet jemand den Beitrag. Der Tipp in der Bienenpflege erinnert mich da an die VW-Betriebsweise, wenn ein Beutensystem mit ASG der Beespace nicht eingehalten wird, dann wirds wegdisskutiert, wer dann den passenden Nachrüstsatz sucht... sucht erst mal vergebens oder muss wieder basteln.

Auf die Frage, was getan werden muss, dass die Kö nicht nach oben flutscht.... einen passenden ASG-Rahmen finden, der einen passenden Beespace (6 mm und nicht mehr und nicht weniger) nach unten herstellt, der zur Beute passt. Leider such ich den passenden Rahmen für meine Hohenheimer Beuten (auch Liebigbeute genannt) in Holz grade auch.

Gruss Stephan

Korrekturen (Tippfäler) und Ergänzung
Zuletzt geändert von Hamamelishonig am 3. April 2017, 17:14, insgesamt 4-mal geändert.
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Re: Einzargige Betriebsweise

Beitragvon Epoché » 3. April 2017, 15:52

Ich habe letztes Jahr fast alle meine Völker nur noch auf Zander mit einem Brutraum geführt und mache das dieses Jahr ausschließlich, denn die übrigen Zweizarger waren genau die, die mir Probleme gemacht haben. Zudem lässt sich einzargig leichter bearbeiten.

Die HR über ASG gegeben bevor sich der BR mit Nektar zu füllen beginnt wird dieser schneller angenommen. Man muss aufpassen, dass genug Platz im HR da ist, damit das Brutnest nicht verhonigt. 10 Waben für den Brutraum reicht DANN locker aus. Bei der Ablegerbildung sollte man meiner Meinung nach dann drauf achten, dass man bei guter Trachtlage keine MW sondern Leerwaben einhängt und dies am besten nachmittags bis abends macht. Dann werden die in der Regel auch gleich bestiftet. Frische MW wurden bei mir zwar immer rasch ausgebaut aber mit jedem mm Wabe auch gleich immer mit Nektar vollgetragen während der Tracht.

Wabenhygiene ist zu 100% möglich mit TBE nach Trachtschluss. Klappt hervorragend.
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Re: Einzargige Betriebsweise

Beitragvon Angie » 3. April 2017, 18:11

Hamamelishonig hat geschrieben:
Simon hat das auch mal als Erweitern von 1 auf 3 beschrieben (Vodeo), wobei ich auf 3 (2.Brutraum) erst nach der Frühtracht gehe. Wenn zuviel Platz unten vorhanden ist, dann ist für mich das ASG eine Honigraumbremse, egal ob Beespace unter dem ASG vorhanden ist oder nicht. Die Bienenmasse für den zweiten Brutraum muss da sein, dass dieser sich lohnt, da sträube ich mich ein wenig bei den pauschalisierten Ratschlägen.


Das kann ich bestätigen, dass nicht alle Völker die Power entwickeln um zwingend untergesetzt zu werden.
Manche Völker haben dauerhaft nicht die notwendige Bienenmasse für den zweiten Brutraum und sind dann auch dauerhaft besser auf einer Zarge zu führen.
Simon fehlt. RIP
Angie
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