Nach der Ernte Volk teilen oder belassen?

Was Imker machen und Bienen (nicht) tun

Nach der Ernte Volk teilen oder belassen?

Beitragvon April » 31. Juli 2016, 13:24

ich habe jetzt das erste Mal Honig "erhalten" ...
nach dem "Abräumen" zweier Hönigräume sind die beiden Bruträume / Rähmchen voller Bienen und kaum mehr leere Zellen vorhanden. Im oberen Brutraum stecken:
vier Honigwaben (zT. mit älterem Frühjahreshonig), vier Brutwaben und zwei mit Brut gemischte Pollenwaben.
Im unteren Brutraum wirds wohl ähnlich sein. Da hielt sich während der Durchsicht wohl auch die Kö auf.

Eigentlich wollte ich die Bienen auf einer Zarge überwintern lassen.
Was passiert wenn ich nichts tue? Was vermutet ihr?

Sterben alle Bienen weg bis auf Überwinterungsgröße?
Wandern sie jetzt noch eher in die obere Br-Zarge, bzw. legen da ihr Zentrum an, so dass ich die untere Br-Zarge Aug./Sept. rausnehmen kann? (zum Winter hin sollen sie Anfangs eher unten sitzen)


Oder sollte ich am besten die Kö in den oberen Brutraum setzen, 2-3 Honigwaben gegen Leerwaben tauschen, damit sie wieder Platz haben

und den unteren auf einen neuen Boden, bischen "Kellerhaft" und mit einer gekauften, gekäfigten Kö versehen und daraus eine neues Volk machen, ebenso mit Leerwaben versehen?
Schaffen die beiden Bienen das dann problemlos auf "Überwinterungsstärke"?

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Re: Nach der Ernte Volk teilen oder belassen?

Beitragvon Lukas » 31. Juli 2016, 15:47

Hallo,

April hat geschrieben:Schaffen die beiden Bienen das dann problemlos auf "Überwinterungsstärke"?

Wenn es wirklich nur zwei Bienen sind, wirds eng mit der Überwinterung :bigrin:

Ein Volk orientiert sich an den Vorräten, daraus kann man ableiten was passieren wird. Wenn du nichts machst, wird das Volk in einem Monat vermutlich an der Folie sitzen und im Spätherbst verhungert sein. Fütterst du jedoch ein, bewegt sich das Brutnest je nach Futtermenge wieder nach unten. Du kannst also nicht davon ausgehen, dass du im normalen Verlauf einem Zweizarger eine Zarge entnehmen kannst, ohne Bienen abstossen und Brutflächen komplett opfern zu müssen. Wenn du hingegen den Honigraum vor dem Einfüttern wieder aufsetzt, hast du gute Chancen in 6 Wochen unten eine mehr oder weniger verweiste Zarge entnehmen zu können. Unter Umständen muss man für eine Entnahme auch dann noch ein Auge zudrücken.

Ein Zweizarger der bereits im Spätsommer nur noch die obere Zarge besetzt, hat ein ernsthaftes Problem - sei es in Sachen Futterversorgung oder Volkszustand.

April hat geschrieben:und den unteren auf einen neuen Boden, bischen "Kellerhaft" und mit einer gekauften, gekäfigten Kö versehen und daraus eine neues Volk machen, ebenso mit Leerwaben versehen?

Vergiss die Sache mit der Kellerhaft. Es ist nicht so, dass Bienen im Keller nach Stunden oder wenigen Tagen ihre Gedächtnis verlieren, was immer mal wieder gesagt wird. Bienen ohne Wabenbau (Schwarm) orientieren sich nach einer gewissen Zeit zu einem neuen Volksverbund - damit sie in dieser Zeit möglichst ruhig werden und nicht in irgendeiner Kiste verbrausen, stellt man sie in den Keller, wo es kühl ist und sie nicht durch Lichtreize zur Flucht angeregt werden. Sobald dieser Schwarm sich formiert hat, fliegen die Bienen nicht mehr zurück sondern nehmen eine neue Behausung an. Solange Bienen auf ihren Waben sitzen, vollzieht sich dieser Prozess mit Sicherheit nicht.

Wenn du also der Meinung bist, das Volk ist stark genug geteilt zu werden, teile entweder nach dem "Teilen und Behandeln"-Verfahren oder mach einen Kunstschwarm mit der Königin und nutze die brutfreie Phase für die Behandlung gegen die Varroa. Ich würde jetzt kein Volk mehr zwecks Vermehrung teilen, das 20 Zanderwaben nicht fast vollständig besetzen kann. Ob die beiden Teile die Überwinterungsstärke erreichen, hängt von vielen Faktoren ab: Volksstärke, Futter, Gesundheit und Leistung der Königin sind hier Faktoren, die jeweils für sich einen Totalverlust bringen können.
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Re: Nach der Ernte Volk teilen oder belassen?

Beitragvon April » 1. August 2016, 00:44

Vielen Dank Lukas für die Tipps!

Lukas hat geschrieben:... Wenn du hingegen den Honigraum vor dem Einfüttern wieder aufsetzt,...
Was passiert dann mit dem neuen Honigraum (aus Leerwaben)? Wird daraus eine Futterzarge?

im "Teilen und Behandeln"-Verfahren schafft das Brutvolk sich eine Kö nach und die wird jetzt auch noch begattet. Die Drohnen werden ja schon bald rausgeschmissen ... lange wird man dies Verfahren nicht mehr machen können.

ich vermute bei mir ein Problem im zuwenigen Platz:
Im oberen Brutraum sind die vier "Brutwaben" je mit obigem Futterkranz, mittig verdeckelte Brutzellen und sonst komplett von offenen gefüllten Honigzellen umgeben, auch am unteren Rähmchenrand - sozusagen ein Honigraum mit Brut in der Mitte (dabei sind die äußeren verdeckelten Futterkränze eher braun als weiß verdeckelt, wahrscheinlich da noch alter Frühjahreshonig, den ich nicht genutzt habe). Die könnte fast Überwinterungsgewicht haben.
Im unteren Brutraum war vor zwei Wochen, zur "Ernte", auch etwas Brut, aber keine Futterkränze und kaum Honig.

ich habe vor 2 Tagen in einer Futter-Leerzarge geschleuderte Rähmchen gehängt, die heut repariert und eins sogar mit Honig wieder teilgefüllt wurde und noch ein Naturwabenanbau erhielt. Potential nach oben haben sie ja.


Das sicherste wäre wohl jetzt, nicht zu teilen, sondern aus der Futter-Leerzarge einen Honigraum mit 6 geschleuderten Rähmchen zu machen. Daneben kann ich noch füttern. Dann schaue ich mal, wie leer die untere Zarge in sechs Wochen ist. wegen Wabenhygiene wollte ich die letztjährigen Rähmchen ja rausnehmen und den zweiten Brutraum nach unten setzen und dann 1-zargig überwintern, da bequemer zu handhaben (weniger As, etc. ).

Wobei so eine Ganzzarge zur Fütterung mir für den Winter ein zu großes Luftvolumen hat? Ob man die nach unten per Gitter und/oder vorgezogener Folie (Schlitz) trennt?

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Re: Nach der Ernte Volk teilen oder belassen?

Beitragvon Lukas » 1. August 2016, 09:14

April hat geschrieben:Was passiert dann mit dem neuen Honigraum (aus Leerwaben)? Wird daraus eine Futterzarge?

Nur um die Begrifflichkeiten zu sortieren: eine Futterzarge ist keine Zarge mit Futter sondern ein Gerät zum Füttern.

April hat geschrieben:im "Teilen und Behandeln"-Verfahren schafft das Brutvolk sich eine Kö nach und die wird jetzt auch noch begattet. Die Drohnen werden ja schon bald rausgeschmissen ... lange wird man dies Verfahren nicht mehr machen können.

Die Drohnenschwemme ist vorbei, für eine sichere Begattung hat man aber noch Zeit. Unter dem Aspekt der Überwinterungsstärke ist die Zeit wesentlich knapper.

April hat geschrieben:ich vermute bei mir ein Problem im zuwenigen Platz:
Im oberen Brutraum sind die vier "Brutwaben" je mit obigem Futterkranz, mittig verdeckelte Brutzellen und sonst komplett von offenen gefüllten Honigzellen umgeben, auch am unteren Rähmchenrand - sozusagen ein Honigraum mit Brut in der Mitte (dabei sind die äußeren verdeckelten Futterkränze eher braun als weiß verdeckelt, wahrscheinlich da noch alter Frühjahreshonig, den ich nicht genutzt habe). Die könnte fast Überwinterungsgewicht haben.

An Platzmangel kann ich nicht glauben wenn wir von einem Zweizarger reden, eine Zugwaage oder ein Blick unter die untere Zarge schaffen Klarheit. Aktuell schrumpfen die Brutnester ziemlich und es wird dann Futter eingelagert, was oft zum trügerischen Bild führt, es sei kein Platz mehr vorhanden. Dass effektiv zu wenig Platz ist, merkt man wenn die Waben bis an den Gitterboden reichen.

April hat geschrieben:Das sicherste wäre wohl jetzt, nicht zu teilen, sondern aus der Futter-Leerzarge einen Honigraum mit 6 geschleuderten Rähmchen zu machen. Daneben kann ich noch füttern. Dann schaue ich mal, wie leer die untere Zarge in sechs Wochen ist. wegen Wabenhygiene wollte ich die letztjährigen Rähmchen ja rausnehmen und den zweiten Brutraum nach unten setzen und dann 1-zargig überwintern, da bequemer zu handhaben (weniger As, etc. ).

Ob du daraus einen "Honigraum" machst oder nicht, interessiert die Bienen nicht. Halbvolle Zargen sind im Winter extrem ungünstig, wie kommst du auf solche Ideen? Ehemaligen Honigraum drauf, einfüttern, auf 2 Zargen überwintern. Ohne grobes Eingreifen bekommst du das Volk ganz sicherlich nicht auf eine Zarge, sofern es eine normale Entwicklung an den Tag legt.

April hat geschrieben:Wobei so eine Ganzzarge zur Fütterung mir für den Winter ein zu großes Luftvolumen hat? Ob man die nach unten per Gitter und/oder vorgezogener Folie (Schlitz) trennt?

Ein Gitter im Winter kann dir die Königin kosten, eine Folie bringt nix, die gehört unter den Deckel.
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Re: Nach der Ernte Volk teilen oder belassen?

Beitragvon April » 1. August 2016, 13:20

Danke nochmal!

eine Futterzarge hat "hinten" einen Aufstieg in den "Futterraum". Mir erscheint das ähnlich einer Leerzarge die auf einer Folie steht
mit 1cm Schlitz nach oben? Und wenn ich mit dem Füttern aufhöre und bienenleer, schiebe ich nur den Schlitz dicht und könnte evtl. leicht Notfüttern im Frühjahr.
So plane ich, eine Flachzarge als "Futterzarge" zu nehmen. Momentan habe ich aber noch, auf zurückgezogener Folie, eine Ganzzarge vom "Auslecken" der Rähmchen drauf. Die Höhe brauche ich demnächst aber nicht mehr.

Meine Honigräume sind jetzt schon weg, ausgeleckt & Rähmchen "eingetütet".

Halbvolle Naturhöhlen sind ungünstig, aber wohl die Regel. Ich vermute / habe gesehen, dass sie dann eher nach außen Leerwaben zum Isolieren bauen? Diesen 1x38cm "Wärmeverlust-"Schlitz nach oben werden die Bienen von unten schon regeln können? "Mutige vor!"

Ich schätze, dass die Kö jetzt schon wieder unten Stiften gegangen ist, wie Du auch sagtest, entwickeln die sich nach unten. Seit der Honigentnahme füttere ich ja auch ständig in kleinen Portionen Futterteig und/oder 3:2 Zuckerwasser.

Wie gesagt lasse ich sie jetzt auf zwei Zargen plus "Futterzarge" - und packe demnächst dann zwei AS-Schwammtücher auf die Br ...

bella saluti!
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Re: Nach der Ernte Volk teilen oder belassen?

Beitragvon Lukas » 2. August 2016, 09:26

April hat geschrieben:eine Futterzarge hat "hinten" einen Aufstieg in den "Futterraum". Mir erscheint das ähnlich einer Leerzarge die auf einer Folie steht
mit 1cm Schlitz nach oben? Und wenn ich mit dem Füttern aufhöre und bienenleer, schiebe ich nur den Schlitz dicht und könnte evtl. leicht Notfüttern im Frühjahr.

Eine Notfütterung bei Eiseskälte von oben mit einem Eimer wird nicht gut funktionieren. Eine Folie mit großem Raum darüber entzieht durch Konvektion massiv Wärme. Für mich wäre das einen Murks (zu geizig einfüttern) mit einem anderen Murks (planmässige Notfütterung) in den Griff zu bekommen und dabei einen dritten Murks in Kauf zu nehmen (die Funktion einer Beute auf den Kopf zu stellen). Eine Notfütterung kann notwendig werden, keine Frage, es gibt genügend Möglichkeiten Futter ans Volk zu bekommen. Jetzt ist die Zeit genügend Winterfutter einzubringen, nicht Notfütterungen zu planen.

April hat geschrieben:Halbvolle Naturhöhlen sind ungünstig, aber wohl die Regel. Ich vermute / habe gesehen, dass sie dann eher nach außen Leerwaben zum Isolieren bauen? Diesen 1x38cm "Wärmeverlust-"Schlitz nach oben werden die Bienen von unten schon regeln können? "Mutige vor!"

Man kann im Winter das Fenster offen halten und die Heizung gegensteuern lassen. Ob so viel frische Luft nun notwendig ist oder nicht, ist eine Sache. Es ist aber ein Fakt, dass dein Energieverbrauch höher und deine auf konstanter Temperatur gehaltene Wohnfläche kleiner wird. Bienen tendieren garantiert immer dort hin, wo der Energieverbrauch minimiert wird, das ist in der Natur genauso wie in einer Styroporbeute. Es schadet nicht, sich an diesem Grundverhalten der Bienen zu orientieren.
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