Weiselzelle umsetzen

Was Imker machen und Bienen (nicht) tun

Re: Weiselzelle umsetzen

Beitragvon beeo » 6. Oktober 2017, 19:32

VoBee hat geschrieben:
andreasE hat geschrieben:Wende ich mein Verfahren an, das der Lebensleistung, wird sehr deutlich, daß eine Königin aus einer Schwarmzelle oder stillen Umweiselung nicht zu übertreffen ist...


Wofür dann also noch die Zucht für klein bis mittelgroße Imker, wenn die Bienen die besten Königinnen eh in Schwarmzellen ziehen?

Die vom Schwärmen losgelöste Vermehrung hat eben den Vorteil, dass sie vom Schwärmen losgelöst ist. Der Imker startet dann, wann er es will. Darin liegt aber auch schon die erste "Chance" sich vom Optimum zu entfernen.
Ich denke es sind sich alle einig, dass die stille Umweiselung und vor allem der Schwarm die optimalste Vermehrung darstellen. Die zukünftigen Weiseln werden zu 100% so gepflegt, wie es sich für eine solche gehört. Außerdem findet es zu einer Zeit statt, bei der die Verhältnisse im Bien dafür geeignet sind.
Wie nahe kommt man mit einer, ich will mal sagen, fast perfekten Königinnenzucht (also Umweiselung mit einem sehr jungen Ei, optimale Pflegevoraussetzungen im Volk usw) an eine Schwarmkönigin hin.

Alle Faktoren optimal zu treffen kann nur per Zufall funktionieren - möglichst nah dran zu kommen kann über Erfahrung erreicht werden.
Dabei muss auch berücksichtigt werden, dass der Bien ggf. eine neue Königin wieder verwirft, wenn es die Umstände erfordern. Mir wäre nicht bekannt, dass Imker solche Maßnahmen auch ergreifen würden. Bedeutet, wir sind bei weitem nicht so sensibel für die Aufzuchtsbedingungen.
Kann man bei dieser Menge an Kombinationsmöglichkeiten der Gene der Nachzuchtkönigin überhaupt auf bestimmte Werte züchten, oder ist alles nur ein ganz ganz großes Glückspiel. Nach dem Motto: Dieses Jahr sind unsere Königinnen sanftmütig, nächstes Jahr nicht, da andere Gene ausgewählt werden.

Exakte Klone sind nicht möglich. Nicht einmal mit künstlicher Befruchtung.
Wenn du aber gute Königinnen möglichst lange im Dienst lässt, hast du von diesen Völkern auch möglichst lange vermutlich relativ gute Drohnen in deinem Flugbereich. Wenn du dann gleichzeitig noch schlechte Königinnen nach der beurteilenden Saison wieder aus dem Rennen nimmst, verminderst du gleichzeitig die tendentiell schlechten Drohnen.
Ungefähr nach dem Motto zwei Schritte vorwärts und einen zurück wirst du dann deine Qualität am Stand verbessern.
Allerdings müssen dabei auch relevante Imkernachbarn berücksichtigt werden. Die spucken dir sonst in die Suppe. Hier im Ortenaukreis können wir hiervon ein Liedchen singen... Das ist ja nun mal der Grund für die Belegstellen.
Allerdings kann das auch vorteilhaft sein. Das Stichwort ist hier die Diversitätsbelegstelle. Die baut zwar darauf auf, dass die beteiligten Drohnen aus mehreren Herkünften kommen, die sollten aber alle von "guten" Königinnen stammen.
Wenn du also einen Nachbarn hast, der nur mit Nachschaffungen arbeitet und nicht selektiert, ist das sehr wahrscheinlich nicht positiv.

Für mich ist folgende Frage interessant: Die Königin eines Volkes und das männliche Erbgut, das sie trägt, ist für ihre gesamte Dienstzeit fixiert. Wird sie trotzdem beeinflusst durch die lokalen Bedingungen andere, angepasstere Arbeiterinnen und Drohnen im Laufe ihrer Jahre hervorbringen? Kann sie ihrerseits bewusst Erbgut an die Eier weitergeben. Immerhin hat sie die Wahl zwischen dem ihres Vaters und dem ihrer Mutter.
Ohne es beweisen zu können bin ich zumindest davon überzeugt, dass die Bienen erkennen können, welche Larven sie bei der stillen Umweiselung nutzen. Ggf. kann die Kö sogar steuern, welche Stifte sie in die Schwarmzellen legt.


Gruß, Patrick
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Re: Weiselzelle umsetzen

Beitragvon beeo » 7. Oktober 2017, 15:26

beeo hat geschrieben:Für mich ist folgende Frage interessant: Die Königin eines Volkes und das männliche Erbgut, das sie trägt, ist für ihre gesamte Dienstzeit fixiert. Wird sie trotzdem beeinflusst durch die lokalen Bedingungen andere, angepasstere Arbeiterinnen und Drohnen im Laufe ihrer Jahre hervorbringen? Kann sie ihrerseits bewusst Erbgut an die Eier weitergeben. Immerhin hat sie die Wahl zwischen dem ihres Vaters und dem ihrer Mutter.
Ohne es beweisen zu können bin ich zumindest davon überzeugt, dass die Bienen erkennen können, welche Larven sie bei der stillen Umweiselung nutzen. Ggf. kann die Kö sogar steuern, welche Stifte sie in die Schwarmzellen legt.

Aha! Nicht ganz aber:
"One study found that in emergency queen rearing the bees do not choose larvae at random and instead favor those of certain patrilines" (Moritz et al. 2005).

Die Bienen können Genanalyse betreiben!
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