Varroamilbe im Mittelmeerraum und Afrika

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Jeder Imker beachtet die gültigen Bestimmungen zur Varroabekämpfung und wendet die in seinem Land zugelassenen Behandlungsmittel an.

Varroamilbe im Mittelmeerraum und Afrika

Beitragvon April » 30. Juli 2017, 10:36

Hey,
irgendwo las ich mal, dass die Milbe im Mittelmeerraum und Afrika weniger zu einem Problem wird, die imker da unten weniger nach schauen müssen. Liegt das am Klima, an der natürlichen "Milbensauna" dort?
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Re: Varroamilbe im Mittelmeerraum und Afrika

Beitragvon indi » 30. Juli 2017, 20:02

yep, diese bienen gibt es
man nennt sie hier zu lande killer bienen.
sie bekämpfen die varroa und andere Parasiten selbst, nebst menschen


http://video.nationalgeographic.com/video/killer_bee
"Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann" weisheit der Indianer
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Re: Varroamilbe im Mittelmeerraum und Afrika

Beitragvon mmoe » 30. Juli 2017, 21:41

Moin!

Der Film ist in Südamerika gedreht worden. Geografisch haben der Mittelmeerraum und Afrika
nicht viel mit Südamerika zu tun. (8;)

... irgendwo las ich mal, dass die Milbe im Mittelmeerraum und Afrika weniger zu einem Problem wird, die imker da unten weniger nach schauen müssen.


Muss man sich merken, wo man was gelesen hat ;-).

Aber das halte ich für ein Gerücht. Die Imker haben dort die gleichen oder mehr Probleme - Nosema, kleiner Beutenkäfer - mit
der Milbe wie hier. Das lässt sich googeln. Es gibt eine europäische Studie zum Bienensterben - sogar von der EU -; darin wird auch die :vr: als
Grund für das Koloniensterben genannt und als Fazit Nordeuropa im Punkt Bienensterben als besonders gefährdet heraus gestellt.

Im Umkehrschluss ist also der Süden Europas weniger von der Varroaproblematik betroffen. Denkt man. ... Oder bastelt es sich
politisch zusammen ;-). Die Studie weist massig Fehler und wirft mehr Fragen als Antworten auf. Zwei gute Quellen:

->https://wissenschaftaktuell.wordpress.com/tag/varroa/

->https://www.anses.fr/en/content/bee-health
Viele Grüße
Marco
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Re: Varroamilbe im Mittelmeerraum und Afrika

Beitragvon indi » 30. Juli 2017, 21:52

meine Kroaten haben keine Möglichkeit an AS und OS zu kommen.
die imker sind Einzelkämpfer
und statistiken gibt es auch keine.
die sind froh seit paar jahren ein Kataster zu haben
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Re: Varroamilbe im Mittelmeerraum und Afrika

Beitragvon Goran » 30. Juli 2017, 22:53

Servus

Varoa richtet nicht so Große schaden wie in De an ,es liegt an den Bienen selber wurde keine Selektion nach Ruhige Bienen gemacht.
Mädels Arbeiten aber stechen genau so schnell und gut ,Varoa Abwehr ist Deutlich Grösser als bei Völker in DE.

Mfg

Goran
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Re: Varroamilbe im Mittelmeerraum und Afrika

Beitragvon George1George2 » 1. August 2017, 17:31

mmoe hat geschrieben:Moin!

Der Film ist in Südamerika gedreht worden. Geografisch haben der Mittelmeerraum und Afrika
nicht viel mit Südamerika zu tun. (8;)

... irgendwo las ich mal, dass die Milbe im Mittelmeerraum und Afrika weniger zu einem Problem wird, die imker da unten weniger nach schauen müssen.


Muss man sich merken, wo man was gelesen hat ;-).

Aber das halte ich für ein Gerücht. Die Imker haben dort die gleichen oder mehr Probleme - Nosema, kleiner Beutenkäfer - mit
der Milbe wie hier. Das lässt sich googeln. Es gibt eine europäische Studie zum Bienensterben - sogar von der EU -; darin wird auch die :vr: als
Grund für das Koloniensterben genannt und als Fazit Nordeuropa im Punkt Bienensterben als besonders gefährdet heraus gestellt.

Im Umkehrschluss ist also der Süden Europas weniger von der Varroaproblematik betroffen. Denkt man. ... Oder bastelt es sich
politisch zusammen ;-). Die Studie weist massig Fehler und wirft mehr Fragen als Antworten auf. Zwei gute Quellen:

->https://wissenschaftaktuell.wordpress.com/tag/varroa/

->https://www.anses.fr/en/content/bee-health


Zu den Bienen im Mittelmeerraum kann ich nichts sagen. Aber da es sich um die gleiche biologische Art handelt, die wir auch hier haben, ist das sehr unglaubwürdig. Zu "Afrika" ist zu sagen, dass es sehr groß ist und mehrere biologisch versciedene Bienenarten hat, die sehr unterschiedlich sind. Meist meint man die Melifera scutellata wenn man von der "Africanischen Biene" hört. Diese kommt vor allem südlich der Sahara vor. In Südafrica und Namibia wird sie von den Imkern genützt. Die Biene ist durchaus bearbeitbar aber sie ist sehr nervös. Wenn der Imker nicht genau weiß, was er tut, dann vermöbein die ihn, damit er beim nächstenmal besser aufpasst. Man braucht meist einen Schleier und ohne Rauch geht nichts. Allerdings reicht ein normaler Dadant-Smoker vollkommen aus.
Diese Bienen haben kein Problem mit der Varroa. Dafür sind dort Wachsmotten, kleiner und vor allem der Große Beutenkäfer eine echte Herausforderung. Das Verhalten dieser Biene birgt einige Besonderheiten. So verlassen sie bei zu großem Parasitendruck als "Fluchtschwarm" (Absconding Swarm) die Beute samt Futter und Brut. Diese Biene ist deutlich kleiner als unsere und hat auch kleinere Zellen. Dadurch entstand verm. der Unsinn bei uns mit den kleinen Zellen als Varroabekämpfung. Das machen dort aber die Bienen, nicht die Zellen. Ich habe mich mit diesen Bienen beschäftigen müssen, da ich in Namibia eine kleine Farmimkerei aufgebaut habe.
Gruß geoge1george2
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Re: Varroamilbe im Mittelmeerraum und Afrika

Beitragvon bienenbodo » 2. August 2017, 07:41

George hat recht, d.h. das Absconding trägt im wesentlichen dazu bei, dass die Bienen dort mit der Varroa klar kommen. Mit der Aggressivität oder anderen Details wie Zellengröße hat dies wenig bis nichts zu tun. Eine Korrektur: Es gibt in Afrika mehrere Unterarten der Westlichen Honigbiene, nicht mehrere Arten ;)
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Re: Varroamilbe im Mittelmeerraum und Afrika

Beitragvon George1George2 » 2. August 2017, 23:54

bienenbodo hat geschrieben:George hat recht, d.h. das Absconding trägt im wesentlichen dazu bei, dass die Bienen dort mit der Varroa klar kommen. Mit der Aggressivität oder anderen Details wie Zellengröße hat dies wenig bis nichts zu tun. Eine Korrektur: Es gibt in Afrika mehrere Unterarten der Westlichen Honigbiene, nicht mehrere Arten ;)


Danke für die Korrektur.
bienenbodo hat natürlich recht, es handelt sich um Unterarten nicht Arten. Sorry, sollte eigentlich nicht vorkommen.
Gruß George1George2
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Re: Varroamilbe im Mittelmeerraum und Afrika

Beitragvon Epoché » 4. August 2017, 13:28

Ich finde das mit dem Absconding Swarm spannend! Das ist ja quasi natürliche TBE.

Wie gehen die Imker dort denn genau damit um? Fangen sie die ausgehenden Schwärme und schlagen sie diese dann neu ein? Oder machen sie von vornherein selber TBE? Und wie behandeln sie gegen den Beutenkäfer?
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Re: Varroamilbe im Mittelmeerraum und Afrika

Beitragvon George1George2 » 8. August 2017, 15:50

Die Imker stellen (besser hängen) Kisten in der Größe von 5Wabenablegern mit Mittelwandstreifen in ca. 3-5m Höhe auf. Die Schwärme nehmen sie an und schwupp hast Du ein neues Volk (wenn alles klappt), wenn keine Paviane die Kiste mitnehmen oder zerstören, oder der Honigdachs die Kiste auf der Suche nach fressbarem zerlegt. Die Scuttelata schwärmt 6 - 8 mal pro Jahr, wurde mir gesagt.
Da diese Biene ernorm fruchtbar ist , baut sie innerhalb kurzer Zeit erstaunliche Völker auf.
Die Imkerei ist längst nicht so durchorganisiert wie bei uns. Varroabehandlung ist nicht nötig, der große Beutenkäfer wird duch ein Fluglochgitter oder schmales Flugloch ausgesperrt (er ist ungefähr so groß wie das 1. Glied des Mittelfingers. Die Große Wachsmotte (Totenkopfschwärmer?) wird von intakten Völkern in Schach gehalten. Zum kleinen Beutenkäfer habe ich keine Info's bekommen.
Schwarmkontrolle oder Schwarmmanagement sind nach meinen Eindruck nur rudimentär entwickelt bzw. findet nicht statt. Geschleudert wird in der heißen Jahreszeit, im dortigen Winter. Ableger habe ich wohl als erster in der Region gemacht. Es ist dort nicht bekannt, dass man das machen kann.
Die Bienenhaltung ist insgesamt sehr extensiv, um es mal vorsichtig auszudrücken. Die Biene ist ein "echtes Schmusetier", ist nicht für verspieltes rumrühren in den Beuten zu gebrauchen. Die werden dadurch richtig wild und deutlich spürbar. Füttern war auch sowas neues, das man nicht kannte. Die Vorteile waren jedoch gleich sichtbar und überzeugend.
Der Stand der Imkerei in der Literatur ist so bei 1983. Das war das neueste, das ich gefunden habe. Dort ist noch von den gleichen enorm "wirkungsstarken" Medikamenten und Heilmitteln, die bei uns längst verschwunden sind, ausführlich die Rede.
Mein Fazit: Wenn ich manche Beiträge in Foren lese (leider auch inzwischen in diesem, aber Gott sei Dank nur vereinzelt) kann ich ob der "Problemchen" nur schmunzeln. Wir haben eine richtig solide, wissensbasierte Imkerei hier, mit sehr verträglichen und gut zu handhabenden Bienen. Wenn dann die Erfinderitis und Besserwisserei bei manchem durchbricht, sind das eben Randerscheinungen die man verglichen mit wirklichen Problemen einfach ignorieren darf.
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